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"Whity's witzige Weltkriegs-Stories™"

Festung Eben-Emael – Lieber einen Spatz in der Hand, als Fallschirmjäger auf dem Dach

Einleitung

Wisst ihr noch früher? Als ihr im Sandkasten eine total coole Burg gebaut habt? Mit Türmen und Wassergraben und kleiner Fahne oben drauf? Könnt ihr euch noch erinnern wie stolz ihr wart? Ja man! Geilste Festung überhaupt jemals!!! Und dann kam Kevin und sprang, wie das kleine behinderte Scheißkind, dass er ist auf die Festung und machte alles kaputt. Danach musste dann Mama kommen und bekam zu hören, dass eine Schippe auf die Schädeldecke keine adäquate Art ist, um seine emotionale Gemütslage mit der Welt zu teilen...oder ging das nur mir so?

Naja egal.

Dieses Mal geht es auch um eine Festung (Haha whity, König der geistig entleerten Überleitungen). Wie auch meine Sandkasten-Burg waren sich die Entwickler sicher, eine echt coole Festung gebaut zu haben...und dann kam jemand und sprang einfach direkt drauf und machte alles kaputt.

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Horst

Teil 1:

Fette Festung für frontale Verteidigung, vorbehaltlich fataler Fehleinschätzung

In den 1930ern schaute man in Belgien dezent besorgt gen Osten. Ein gewisser Herr Hitler machte in Deutschland Stimmung und sagte lautstark, dass Deutschland wieder Großartig gemacht werden muss. Seit dem ersten Weltkrieg, wusste man in Europa, das großartige deutsche Nationen gerne mal kleine BeNeLux-Staaten als ad hoc-Autobahn gen Frankreich benutzten. Belgien hatte nicht vergessen, wie sehr das Land vom Krieg gebeutelt wurde. Am wenigsten Belgiens König Albert I, der seine eigene Armee in verzweifelten Abwehrschlachten anführte (von der Front...ziemlich harter Massafacka...of History), während 90% des Landes besetzt war.
Als die Weltwirtschaftskrise die Welt in eine wirtschaftliche Krise warf, dachte man sich daher in Belgien eine gewaltige Arbeitsbeschaffungsmaßnahme aus: Wir graben jetzt einfach mal einen fetten Kanal und wir lassen die Deutschen dafür zahlen! Dabei erfüllte der Kanal gleich noch eine Doppelfunktion:

1. Verbindung zwischen Antwerpen und Lìege, sowie den Flüssen Meuse (ja ausgesprochen Möse) und Scheldt und dem Dessel-Turnhout-Schoten Kanal

2. Riesiger Fuck off-Wassergraben, im Falle eines (Über)falles

Schon vor Beginn des Kanalbaus schaute man sehr interessiert nach Frankreich. Dort wurde grade die Maginot-Linie hochgezogen. Diese hochmodernen Bunkeranlagen sollten Frankreichs Ost-Grenze undurchdringbar machen. Das moderne Design der Bunkeranlagen sprach die Belgier direkt an. Allerdings konnte man das Maginot-Prinzip nicht direkt kopieren. Die Maginot-Linie besteht aus einzelnen Festungen, die sich im Falle eines Angriffs gegenseitig schützen sollen. So viel Platz hatte Belgien allerdings gar nicht. Außerdem existierte rund um die Stadt Lìege bereits ein Gürtel aus alten Festungen (aus den 1890ern). Es wäre also nur begrenzt sinnvoll eine ganz neue Gruppe von Festungen zu bauen. So entstanden auf den Fundamenten der alten Festungen modernere Festungen (Festungs-Inception sozusagen). Vor allem am Albertkanal bot es sich an, direkt etwas mehr Zeit und Geld zu investieren. So entstand Festung Eben-Emael an einer Stelle, wo man den Kanal durch einen Berg getrieben hatte (indem man den Berg auf sägt). Das hatte den Vorteil, dass anfallender Schutt direkt mit Barkassen verladen werden kann. Außerdem konnte dank des hügeligen Geländes niemand so genau einsehen, was die findigen Belgier da genau trieben. In rekordverdächtigen 4 Jahren entstand bis 1935 die damals modernste und größte Festungsanlage der Welt. Beobachter aus der ganzen Welt (außer Deutschland) durften das Fort von außen besichtigen. Neben, zum Beispiel den Schweizern und Tschechen war auch die sowjetische Delegation äußerst beeindruckt.
Alle drei Nationen würden daraufhin Designelemente der Festung in heimischen Projekten einfließen lassen.
Dabei ist Eben-Emael die größte von vier, welche die Verteidigungsstellung Position Fortifiée de Liège I bildeten. Falls die Deutschen kommen sollten, hatte Eben-Emael die drei örtlichen Brücken über den Albertkanal lange genug zu schützen, bis französische und belgische Truppen ihre besser ausgebauten Verteidigungsstellungen am Fluss Dijl einnehmen konnten. Auf der niederländischen Seite hatte man zum Schutz der Brücken drei Infanteriebrigaden abgestellt. Im Falle eines Angriffs sollten diese Einheiten Artilleriedeckung durch Eben-Emael erhalten und sich zurückziehen.
Die Festung sollte nicht uneinnehmbar sein. Aber sie sollte genug Dakka besitzen um jeden Feind möglichst lange zu beschäftigen. Man rechnete damit, dass Eben-Emael und ihre Schwesterfestungen die Angreifer mindestens 3-5 Tage am Kanal binden könnte.

Festung Eben-Emaels Dakka-Kapazität ist in der Tat beachtlich. Eine Mischung aus 60mm Paks, 75mm Haubitzen und 120mm Kanonen bilden die Hauptbewaffnung. Hinzu kommen dutzende leichte und schwere Maschinengewehre. Im Gegensatz zur Maginot-Linie, wo auch alte Kanonen aus dem ersten Weltkrieg verbaut werden, ist die Bewaffnung der belgischen Forts im Jahr 1935 brandneu und damit äußerst schlagkräftig. Dabei ist Eben-Emael nicht einfach nur ein großer Bunker, den jemand in die Landschaft geflanscht hat. Auf 0,75km² Fläche besteht die Festung aus 6 großen Bunkern, die alle Himmelsrichtungen abdecken, jeder mit wenigstens einer Pak und zwei MGs ausgestattet. Ein weiterer Bunker ist direkt in die Steilwand des Kanals getrieben und kann so den Schiffsverkehr auf dem Wasserweg abschneiden. Zwischen diesen Bunkern liegen 4 Artillerie-Batterien, jede für sich selbst ein voll umschlossener Bunkerkomplex. Diese Batterien, genannten Maastricht 1 & 2 sowie Visé 1 & 2 verfügen jeweils über 3 75mm Haubitzen. Sie sind so positioniert, dass sie 2 der 3 Kanal-Brücken über den Albert-Kanal decken. Hinzu kommen die Kuppeln „Nord“ und „Sud“, jeweils bewaffnet mit 2 75mm Kanonen. Die Kuppeln sind für die Zeit hochmodern. Mittels E-Motoren können sie nicht nur um 360° gedreht werden, sie können auch über ein Hydrauliksystem im Boden versenkt werden. Das Zentrum der Festung bildet jedoch die gewaltige 120mm Artillerie-Kuppel. Wie auch die 75mm Kuppeln, kann sie um 360° gedreht werden und abgesenkt werden. Die 2 120mm Kanonen in der Kuppel haben eine Reichweite von über 17km. Wohlwissend, dass diese schweren Geschütze das Hauptziel jedes Angriffs wären, befinden sich im Norden des Komplexes noch zwei Kuppelattrappen. Die sind so positioniert, dass ein Angreifer, der sich an die Kuppeln heranarbeiten will im Sperrfeuer von nicht weniger als 3 Bunkern liegt. Rund um Eben-Emael sind auch kleinere MG-Bunker verstreut. Sie decken Straßen und Brücken ab und sollen so die Zufahrtswege der Festung sichern. Jeder Bunker ist unterirdisch durch ein Netz aus Tunneln verbunden, welches insgesamt 4km misst. Im Untergrund befindet sich neben der Garnison auch ein Kraftwerk, eine Luftfilteranlage, ein Krankenhaus, eine Küche und Munitionsbunker. Hier endet die Ingenieurskunst allerdings noch nicht. Nach den Erfahrungen mit Giftgas im ersten Weltkrieg ist Eben-Emael quasi der erste ABC-sichere Bunker der Welt. Selbst die Geschützkuppeln sind mit größter Vorsicht abgedichtet. Das Kraftwerk im Untergrund versorgt ein ausgeklügeltes Be- und Entlüftungssystem aus dutzenden Filtern mit Strom. Die Belüftung und Bauweise der Bunker ist so hervorragend, dass Geschützbesatzungen an ihren Waffen weder Masken noch Gehörschutz tragen müssen. Von so etwas können die Franzosen in der Maginot-Linie nur träumen. Eben-Emael wird von 1200 belgischen Soldaten bemannt. Etwa 300 von ihnen sind direkt im Festungskomplex einquartiert. Der Rest ist auf Garnisonen in umliegenden Dörfern verteilt.

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Horst

Teil 2:

Stille Schwingen statt seidener Schirme

Als man im Reich den Westfeldzug plante, waren die BeNeLux-Staaten Angriffsziel Nummer 1. Wie schon im ersten Weltkrieg wollte man über Belgien in den Norden Frankreichs marschieren und so einen Keil in die französischen Armeen treiben. Das OKW war sich auch darüber im Klaren, dass im Kriegsfall Frankreich und Großbritannien für Belgien garantieren würden. Man musste also (richtigerweise) davon ausgehen, dass die Alliierten in Belgien einmarschieren würden um ihre Verbündeten zu unterstützen. Der gesamte Plan für „Fall Gelb“ hängt davon ab, dass die Wehrmacht mit Vollgas durch die Niederlande und Belgien ballern kann bevor die Alliierten ihre geplanten Stellungen einnehmen können. Damit dieser Plan erfolgreich sein kann müssen vor allem die belgischen Stellungen im Sturm genommen werden. Man blickt daher schon vor dem Krieg mit etwas sorge auf die Festungen entlang des Albert-Kanals. Schnell ist klar: mit einem konventionellen Angriff wird man kaum schnell genug über die Brücken kommen, geschweige denn das Fort ausschalten bevor die besagten Brücken gesprengt werden. Das wäre unschön. Selbst die deutschen Sturmpioniere bräuchten mehr als einen Tag um neue Brücken aufzubauen. So viel Zeit hat das OKW nicht. Doch das Reich hat noch ein Ass im Ärmel. Fallschirmjäger. Man plant sowieso, mit konzentriertem Einsatz dieser Elite-Truppen, Flugplätze und Städte in ganz Belgien und den Niederlanden einzunehmen und für den Vormarsch zu sichern. Da kann man doch direkt noch ein paar Hundert damit betrauen die drei Kanalbrücken einzunehmen und zu halten, bis die Hauptstreitmacht durch rücken kann. Es gibt da allerdings trotzdem noch ein winziges Problem. Rund um die großen Städte und vor allem um die Festungen am Albert-Kanal haben die Belgier den Großteil ihrer Flak-Batterien positioniert. Die würden die langsamen Ju 52 Transporter problemlos aus der Luft schießen. Außerdem sind Transportflugzeuge bei der Luftwaffe sowieso von Tag 1 an Mangelware. Die Lösung kommt interessanterweise von Hanna Reitsch, Hitlers persönlicher Pilotin. Sie schlägt vor, Fallschirmjäger-Einheiten mit Gleitern ins Zielgebiet zu bringen. Die machen in der Luft keinen Lärm, bestehen aus Stoff und Holz und sind billig in Masse zu fertigen. Außerdem können sogar schwere Jäger wie die Bf 110 problemlos einen solchen Gleiter in die Luft schleppen. Der Leise Anflug hat einen weiteren Vorteil: das Belgische Militär verfügt noch nicht über Radar-Technologie. Vielmehr verlässt man sich auf ein Frühwarmsystem aus Horchposten, die feindliche Flieger am Geräusch orten und die Information dann an Flak-Batterien und Jagdgeschwader weiter geben. Außerdem können Gleiter besser ins Ziel gesteuert werden als ein Fallschirm. Im Gleiter können die Fallschirmjäger auch ihr gesamtes Equipment direkt mitnehmen. Vor dem Krieg hat man sich das Fort bereits gut von außen angeschaut. Man weiß also welche Waffe in etwa wo zu finden ist. Es ist geplant, dass die Fallschirmjäger binnen einer Stunde nach der Landung alle 3 Brücken und die Festung gesichert haben. Eben-Emael muss nicht unbedingt eingenommen werden. Vielmehr sollen die Geschütze unschädlich gemacht werden, damit sie den deutschen Vormarsch nicht unter Beschuss nehmen können. Im heutigen Tschechien wird Eben-Emael minutiös nachgebaut. Die Fallschirmjäger der „Sturmabteilung Koch“ üben bereits seit Ende September 1939 in absoluter Geheimhaltung alles vom Landeanflug, über den Einsatz von Flammenwerfern bis hin zur neusten Geheimwaffe: der Hohlladung. So geheim ist die Planung, dass die Soldaten ein halbes Jahr lang keinen Ausgang oder Urlaub bekommen. Als das Training beendet ist sind die 493 Fallschirmjäger die wohl am besten gedrillte Einheit der Wehrmacht und sie werden sich im kommenden Kampf behaupten.

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Horst

Teil 3

Granit, Stahl, Eisen und Beton greifen an

Um 03:00 Uhr am 10. Mai schallt Wagners „Ritt der Walküren“ über mehrere Rheinische Flugfelder. In absoluter Dunkelheit treten 493 Fallschirmjäger an. Jeder darf noch eine Rauchen, dann wird der Befehl des „GröFaZ“ (Größter Feldherr aller Zeiten -> Hitler) vorgelesen, jeder geht noch mal aufs Klo und dann reitet man los. Hauptmann Walter Koch, der Leiter der Operation, hat seine Einheit in 4 Kampfgruppen aufgeteilt. Gruppe „Granit“ unter Oberleutnant Rudolf Witzig soll Eben-Emael ausschalten, mit 85 Mann in 11 Gleitern. Gruppe „Stahl“ unter Oberleutnant Gustav Altmann soll mit 96 Mann in 11 Gleitern die Veldwezelt-Brücke einnehmen und halten. Gruppe „Eisen“ unter Führung von Leutnant Martin Schächter soll mit seinen 90 Mann die Kanne-Brücke übernehmen. Gruppe „Beton“ unter Leutnant Gerhard Schacht hat die Vroenhofen-Brücke als Ziel. Für alle Einheiten ist Zeit der absolute Faktor. Der Angriff ist so geplant, dass er eine Stunde vor der offiziellen Kriegserklärung starten soll und bis zur Kriegserklärung beendet sein. Man hofft so, den Fallschirmjägern genug Zeit zu erkaufen und die Gegenwehr auf ein Minimum zu beschränken. Um 04:30 heben die Gleiter ab. Es gilt absolute Funkstille während des Fluges. Die Piloten navigieren nur anhand einiger weniger Leuchtfeuer auf ihr Ziel zu. Alles ist perfekt geplant...kennt ihr das Sprichwort mit dem Plan und dem Feindkontakt?...Yep.

Noch während des Fluges geht ausgerechnet bei der Gruppe „Granit“ einiges schief. Das Schleppkabel eines Gleiters reißt und so landet der Gleiter noch auf deutschem Gebiet. Es ist auch noch der Gleiter von Oberleutnant Witzig. Der Pilot eines zweiten Gleiters kappt versehentlich zu früh das Kabel. Der zweite Gleiter landet zumindest schon mal in belgischem Gebiet, wenn auch fast 10 Kilometer entfernt vom Ziel. Damit fehlen Gruppe „Granit“ nun 16 Mann und der Kommandeur. Doch es kommt noch schlimmer. Als die Ju 52 etwa 30km vor dem Ziel die Kabel kappen und abdrehen, eröffnet die belgische Flak das Feuer und Eben-Emael ist gewarnt...

Gruppe „Stahl“ landet um 05:20 an der Veldwezelt-Brücke. Stacheldraht, der um die Landekufe der DFS 230 Gleiter gewickelt wurde, bremst die Gleiter schnell ab. Während Leutnant Altmanns Gleiter etwas abseits der Brücke landet, kracht einer direkt vor einem belgischen MG-Bunker auf die Straße. Die Bunkerbesatzung erholt sich schnell vom Schock und eröffnet das Feuer auf den Gleiter. Zu diesem Zeitpunkt sind ein Unteroffizier und sein Pionier aber schon am Bunker dran. Eine Sprengladung sorgt bei den Belgiern für ein signifikantes emotionales Event und die Fallschirmjäger stürmen den Bunker. Gleichzeitig hat Altmann seine restlichen Truppen gesammelt und die Brücke genommen. Zwei seiner Männer legen die belgischen Sprengladungen lahm und die Brücke ist erst mal gesichert. Allerdings haben die Belgier zwei Feldgeschütze in Stellung gebracht. Die heizen Altmanns Männern ordentlich ein. Erst als Ju 87 Stukas angefordert werden, schweigen die Geschütze endlich. Altmann lässt seine Männer in Stellung gehen und hofft auf die Ablösung. Laut Plan sollen spätestens 14:30 Uhr die ersten Elemente der 18. Armee die Brücke erreichen. Die 18. Armee wird allerdings von überraschend starken Widerstand zurück gehalten. Erst 21:30 Uhr kommen die ersten Elemente der 18. Armee an der Veldwezelt-Brücke an. Zu diesem Zeitpunkt hat Altmann 8 Tote und über 30 Verwundete zu beklagen aber die Brücke ist fest in deutscher Hand.

Die ersten Gleiter der Gruppe „Beton“ erreichen die Vroenhoven-Brücke um 05:15 Uhr. Zehn der elf Gleiter landen direkt vor der Brücke. Der Elfte war durch Flak-Beschuss über den Niederlanden zur Notlandung gezwungen worden. Als die Gleiter der Gruppe im Endanflug sind, eröffnen Fla-MGs auf kürzeste Distanz das Feuer.... So ein Gleiter besteht übrigens auf Holz und Papier und ist demnach eher wenig für direkten Beschuss geeignet. Ein Gleiter schmiert im Endanflug ab und drei der Insassen werden schwer verletzt. Der Rest der Einheit kommt glimpflicher davon. Ein Gleiter landet direkt vor der Stellung welche den Zündmechanismus für die Brücken enthält. Bevor die Belgier reagieren können nehmen die Fallschirmjäger die Stellung im Sturm und reißen die Kabel aus den Zündern. Damit ist auch die Vroenhoven-Brücke erst einmal gesichert. Doch die Belgier geben nicht auf. Wieder und wieder stürmen sie gegen die deutschen Truppen an. Mehrfach steht der Ausgang des Gefechts auf der Kippe. Um 06:15 Uhr wirft eine Ju 52 mehrere Maschinengewehre für die zahlenmäßig unterlegenen Fallschirmjäger ab. Von da an haben die deutschen Truppen die Oberhand. Auch sie warten den ganzen Nachmittag vergebens auf ihre Ablösung. Erst gegen 21 Uhr erreichen die ersten Einheiten der 18. Armee die Vroenhoven-Brücke. Bis dahin hat Gruppe „Beton“ 7 Tote und 24 Verwundete zu vermelden.

Als Gruppe „Eisen“ um 05:35 Uhr im Endanflug auf die Kanne-Brücke ist bricht um sie herum die Hölle los. Im Gegensatz zu den anderen beiden Brücken, ist die Garnison der Kanne-Brücke gewarnt. Die motorisierte Einheit, die den Angriff auf die Brücke eigentlich unterstützen soll ist nämlich 20 Minuten zu früh vor Ort. Während Flak-Feuer die Gleiter durchsiebt fliegt unter ihnen die Brücke in die Luft. Ein Gleiter stürzt ab, keiner an Bord überlebt doch die anderen landen sicher. Mit ihrem eigentlichen Missionsziel zerstört, entschließt sich Leutnant Schächter dazu, das Dorf Kanne einzunehmen und zu halten, bis die Elemente der 18. Armee nachrücken können. Den ganzen Tag und bis weit in die Nacht hinein kämpfen die Fallschirmjäger verbissen um das kleine belgische Dörfchen. Mehrmals muss die Luftwaffe eingreifen um belgische Gegenangriffe zu stoppen. Erst am Morgen des 11. Mai bricht der belgische Widerstand zusammen. Gruppe „Eisen“ verliert 50 Mann, die Hälfte davon tot.

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Horst

Teil 4:

Eben-Emael existiert, ergo exzessiv Explosivmittel einsetzen (Gott...so langsam werden die Alliterationen schwierig)

Die 9 Gleiter der Gruppe „Granit“ landen punktgenau 05:25 Uhr auf dem Dach der Festung (45 ha Fläche). Alles andere wäre auch schwierig, denn Eben-Emael wird nicht nur durch Bunker verteidigt. Seit dem Polen-Feldzug umgibt die Festung auch ein Wassergraben und ein gewaltiges Minenfeld. Damit die Gleiter schnell landen werden Bremsschirme eingesetzt. Die Festung ist zwar gewarnt, aber mit so einem dreisten Angriff rechnet man nicht. Außerdem kommen die Gleiter lautlos aus der aufgehenden Sonne geflogen. Hinzu kommt, dass die Festung trotz der Warnung nicht voll einsatzbereit ist. Ein Munitionsaufzug ist defekt, einer Kanone fehlt die Munition gänzlich, eine andere ist noch eingefettet und eine Kanonenbesatzung merkt, dass die nagelneue Zünder-Einstell-Maschine nicht funktioniert, weil beim Einbau ein Teil vergessen wurde. Hinzu kommt die allgemeine Verwirrung innerhalb der Garnison. Jeder Bunker meldet Feindkontakt, jeder Bunker meldet wesentlich mehr Feinde als überhaupt da sein können und die ersten MGs haben Ladehemmungen. Langsam macht sich Panik bei den Verteidigern breit.
In Abwesenheit des Kommandanten übernimmt Oberfeldwebel Helmut Wenzel das Kommando. Das erste Ziel sind die Maastricht 2 sowie Visé 1 & 2 75mm Batterien. Mit Haftladungen und „Sonderladungen“ wird Visé 2 komplett gesprengt. Bei der Sonderladung handelt es sich um eine 50kg(!!!) Sprengladung. Binnen weniger als 20 Minuten sprengen die Fallschirmjäger die Waffen beider Maastricht und beider Visé Batterien. Gleichzeitig werden Sprengladungen an den Türen angebracht. So will man verhindern, dass die Bunkermannschaften Gegenangriffe starten können. Die Angriffe auf die Bunker klappen gut, denn sie wurden am häufigsten gedrillt. Männer mit Flammenwerfern blenden die Sichtschlitze der MG-Stellungen während andere auf die Bunkerdächer klettern, Beobachtungskuppeln einnebeln und Hohlladungen oben drauf anbringen. Gleichzeitig werden 3kg-Ladungen an den Bunkereingängen platziert. Die Explosionen reichen meistens aus, um die schweren Panzertüren im Rahmen zu verbiegen. So sind die Bunkerbesatzungen im inneren gefangen. Die Panik bei den Verteidigern steigert sich mit jedem Krachen einer neuen Hohlladung.

Wir reden hier nicht von den Hohlladungen in Anti-Panzer-Waffen. Die eingesetzten Hohlladungen wiegen 50kg (Der Panzerschreck hatte 0,23kg). Jede Explosion erschüttert den ganzen Festungskomplex. Die Echos jagen durch die Tunnel. So klingt selbst die Explosion einer Hohlladung am anderen Ende der Festung wie eine an der eigenen Bunkertür. Außerdem ist die Hohlladung zu diesem Zeitpunkt ein absolutes Novum. Die Belgier können kaum fassen, dass etwas die schweren Beobachtungskuppeln so leicht zerstören kann. Ein Trupp sprengt sogar einen Belüftungsschacht. Die Druckwelle verbiegt mehre Blätter eines Lüftungsventilators. Das Schaben klingt so, als würde jemand unter der Festung einen Tunnel graben. Manche Veteranen des ersten Weltkrieges unter den Verteidigern (die Belgische Armee hat bereits Reservisten eingezogen) bekommen deshalb Panikattacken. Auch das unterirdische Krankenhaus ist bald überlastet. Hinzu kommt, dass niemand so wirklich weiß wie man überhaupt angegriffen wird. Viele glauben im ersten Moment, die Festung wird durch schwere Artillerie oder Bomber angegriffen. Niemand kann so richtig glauben, dass weniger als einhundert wahnsinnige Fallschirmjäger auf dem Dach der Festung herum rennen und Terror machen.

Nicht alles läuft jedoch nach Plan. Vor allem die freistehenden Geschütz-Kuppeln erweisen sich als harte Brocken. Eine muss drei mal hintereinander mit Sprengladungen angegriffen werden bevor sie endlich schweigt. Auch die zweite 75mm Kuppel bereitet den Fallschirmjägern Kopfzerbrechen. Während des Trainings für den Angriff waren den Planern zwei große Fehler unterlaufen. Zum einen ging man davon aus, dass die Haubitzen keine ernsthafte Bedrohung für schnell agierende Infanterie sein würde. Zum Anderen wusste man nicht, dass die Kuppeln einen Schusswinkel von 360° aufwiesen. Erst mit der geballten Kraft von 4 der 7 Sprengteams kann man auch die zweite 75mm Kuppel attackieren. Aus angst vor einer Munitionsexplosion senkt die Geschützmannschaft die Kuppel ab flieht in den Bunkerkomplex. Ein noch gewaltigerer Brocken ist jedoch die 120mm Kuppel. Selbst Sprengladungen und Hohlladungen können dieses Monstrum nicht ausschalten. Erst als ein Soldat auf die Kuppel klettert und mit einem mitgebrachten Schweißbrenner löcher in die Rohre schneidet, schweigt auch diese Kuppel.

In der Zwischenzeit hat man mit einer 50kg Ladung ein Loch in die Batterie Maastricht 1 gesprengt. Die Explosion verwandelt das innere des Bunkers samt Besatzung in Marmelade. Die Verteidiger reagieren jedoch schnell und errichten aus vorgefertigten Metallplanken, Sandsäcken und Holzbohlen eine Barrikade im Tunnel. So wollen sie verhindern, dass die Deutschen ins innere des Bunkerkomplexes vorrücken können. Das erweist sich jedoch als gewaltiger Fehler. Als die ersten Fallschirmjäger an der Barrikade ankommen, bringen sie einfach eine der Hohlladungen an und ziehen sich aus dem Tunnel zurück. Die folgende Explosion der Hohlladung schickt 50kg geschmolzenes Metall durch die Barrikade und tötet ein dutzend Belgier. Viel schlimmer jedoch: In dem grade zerfledderten Gang standen Fässer mit Chlor-Kalk, den man in der Festung benutzte um die Toiletten zu desinfizieren. Die Explosion setzt nun Chlor-Gas in den Tunneln frei, welcher durch die hervorragende Belüftung in der ganzen Festung verteilt wird. Die Explosion zerstört allerdings auch die Treppe hinauf in die Batterie. So können die Fallschirmjäger auch nicht ins innere der Festung vordringen.
In der Zwischenzeit ist auch Oberleutnant Witzig endlich eingetroffen. Nach seiner unplanmäßigen Landung in Deutschland, hatte er sich einfach erneut mit seinem Gleiter ins Ziel schleppen lassen. In etwa zur selben Zeit befiehlt der Festungskommandant einen Gegenangriff. Damit haben die Fallschirmjäger jedoch gerechnet. Die wenigen Türen, die sich nach dem Einsatz der Sprengladungen noch öffnen lassen, werden schnell zu Todeszonen für die Belgier. Auch das belgische Oberkommando in Liège kann sich nicht zu einem konzentrierten Gegenangriff durchringen. Alle bereit stehenden Verbände sind bereits in Kämpfe um die Brücken verwickelt. Das Oberkommando überlässt Major Jottrand die Entscheidung sich zu ergeben. Das tut er allerdings erst am 11. Mai gegen 11:30. Zu diesem Zeitpunkt sind bereits die ersten Elemente der Wehrmacht auf dem Landweg an der Festung angekommen. Bis zur Kapitulation toben weiterhin harte Feuergefechte im Außenbereich der Festung. Trotz des über 24h dauernden Gefechtes verlieren die Fallschirmjäger lediglich 6 Mann. Die Verteidiger haben 24 Tote zu beklagen. Insgesamt verliert die Kampfgruppe Koch beim Angriff auf die Festung und die Brücken 43 Mann. Weitere 99 werden verwundet. Die Belgier haben in etwa 60 Tote und 40 Verwundete zu beklagen. Über 1000 Belgier gehen in Gefangenschaft.

Wer sich genauer über die Festung und die Schlacht informieren möchte dem lege ich folgende Website ans Herzen:

http://www.festungsbauten.de/B/Eben_Emael.htm

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Horst

Das zweite Pazifik-Geschwader – Inkompetente Weltumrundung in den Tod!

Einleitung

Und nun...Whity’s Poesie:

Als auf der Toilette ich neulich ächzte
Und nach neuem Lesestoff lechzte,
ein dickes Buch mir fiel in die Hand,
vom Autor nur „Tsushima“ genannt.

So fing ich also an zu lesen,
was wohl damals los gewesen.
Und so fand ich ein gar spannend Geschicht‘
deren Inhalt so bescheuert ist, ihn glaubt ihr mir nicht.

Im Jahre 1904 auf verzweifelte Weise,
in Russland begann eine verrückte Reise.
Eine Reise voller Wunder, voller Schrecken,
eine Reise mit Bonzen, Bolschewisten und Deppen.

Dutzende Schiffe, groß und klein
stellten sich auf eine lange Reise ein.
An Bord nahm man zu viel von allem, nur nicht genug Munition,
aber hey...Schießtraining...wer braucht das schon?

Eine große Schlacht wollte man haben,
den bösen Feind endlich so richtig fett schlagen.
So fuhr man los, bereit für den Kampf
die Wahrheit jedoch...die Reise wurde eher ein Krampf.

Das Ziel der Reise lag nämlich in weiter Ferne,
durch tropische Gefilde mit glühender Wärme,
musste man zum Zielort gelangen
und hätte unterwegs beinahe drei Kriege angefangen...

Das ganze klingt nun natürlich erst mal recht peinlich,
denn auf wen man so schoss, da war man nicht kleinlich.
Zum Glück haben die meisten Kugeln nicht getroffen...
Für die kommende Schlacht ließ das nichts Gutes erhoffen.

So erzähle ich sie euch nun diese bekloppte Geschichte,
vom zweiten Pazifik-Geschwader, welches volle Fichte
aus der Ostsee in den Pazifik stieß vor, wobei am Ende fast jeder sein Leben verlor....

Warum ich das Reime, ich weiß es nicht...
bin weder high, noch sonderlich dicht...

Vielleicht weil ich auf Arbeit grade Langeweile schiebe...
und mir lieber mit so etwas die Zeit vertriebe...

Daher fange ich nun an in die Tasten zu hauen,
wie lange es dauert? Da müssen wir mal schauen...

So oder so, es wird sich für euch Lohnen,
denn diese Geschichte wird das Zwerchfell nicht schonen...

Teil 1:

Hartes hafenseitiges Hantieren

Im Jahr 1904 schwappten die Spannungen zwischen dem Zarenreich und dem japanischen Kaiserreich langsam über. Die Einfluss-Sphären beider Reiche schabten sowohl in Korea als auch in der Mandschurei und China gewaltig aneinander. Russland benötigte einen eisfreien Hafen im Pazifik, da Wladiwostok im Winter kälter wurde als die Schamlippen einer sibirischen Nutte und warf außerdem gierige Blicke auf die koreanische Halbinsel. Japan sah sich wiederum seit dem ersten Sino-Japanischen Krieg 1895 als Boss Bitch in ganz Ost-Asien (inklusive Korea und China und allem anderen was da noch so zu finden war). Japan, dass sich immer mehr den westlichen Nationen anpasste, dürstete nach einer Chance mal die dicken Eier auf den Tisch zu klatschen.
So machte man dem Zaren ein Angebot:

Wir akzeptieren, dass ihr die Mandschurei für euch haben wollt, wenn ihr akzeptiert, dass die gesamte koreanische Halbinsel uns gehört.

Russland sagte nö. Man machte ein Gegenangebot:

Wir behalten die Mandschurei, ihr bekommt einen Teil von Südkorea (weil: Nordkorea=bestes Korea) und ihr haltet gefälligst die Fresse sonst zeigen Ivan und Sergei euch wo der Lurch die Kiemen hat!

Was passiert wohl wenn dein Gegenüber nicht das macht, was du von ihm willst?       

Genau!                               

Du wartest bis er sich umdreht um zu gehen und knüppelst ihn dann so richtig hart in den Nacken.

So kam es, dass die Offiziere und Mannschaften des russischen Pazifik-Geschwaders in der Nacht des 8. Februars 1904 unsanft geweckt wurden. Admiral Togo, seines Zeichens Mad Massafacka oder auch „Nelson des Ostens“ genannt, hatte die gesamte Japanische Flotte vor dem Hafen in Stellung gebracht. Nun griffen zehn japanische Torpedo-Boote/ Zerstörer das russische Geschwader an der Reede an. Die Schlachtschiffe Tsesarevich und Retvizan und der Kreuzer Pallada wurden getroffen. Dabei hatten die Russen noch Glück im Unglück, denn von 16 Torpedos die abgefeuert wurden trafen nur diese drei. Der Rest blieb in den Torpedonetzen hängen oder krepierte unterwegs. Trotzdem: mit einem Angriff waren drei der modernsten Schiffe des Pazifikgeschwaders fürs erste außer Gefecht gesetzt. In dem Glauben, die russische Flotte direkt zermanscht zu haben, blies Togo am nächsten Morgen zum Angriff, nur um zu bemerken, dass die russische Flotte sich vom Schock erholt hatte und dabei war auszulaufen.  
Man feuerte für einige Stunden mehr oder weniger (eher weniger) erfolgreich aufeinander, bevor sich Togo unter dem Beschuss der Küsten-Batterien zurückziehen musste. Keine Seite konnte dieses Gefecht wirklich als Sieg verbuchen. Die Russen hatten etwa 150 Mann verloren, wohingegen die Japaner „nur“ 90 Verluste zu beklagen hatten. Allerdings hatten die Japaner in ihrer Basis Sasebo wesentlich bessere Reparatur-Einrichtungen als die Russen in Port Arthur. Hinzu kam, dass die Russen nach dem Gefecht einfach wieder in den Hafen zurück fuhren und somit den letzten Vorteil aufgaben...naja nicht die ganze Flotte...die beschädigte Retvizan hatte sich dank dem extra Wasser im Rumpf möglicherweise minimal ein ganz kleines bisschen fest gefahren...

 
Was nun folgen sollte, wird in Fachkreisen allenthalben als „Shit-Show“ bezeichnet:

Am 11. Februar entschied man sich, die Hafeneinfahrt zu verminen, damit die Japaner so einen Stunt wie vor drei Tagen nicht wiederholen konnten. Also machte sich der Minenleger Yenisei rasch ans Werk. Kurze Zeit später explodierte etwas am Heck des Minenlegers und das Schiff sank. Eine der grade gelegten Minen war gegen das Schiff gespült worden...aber hey...immerhin funktionierten die russischen Minen. Leider sank mit den 120 von 200 Besatzungsmitgliedern auch die einzige Karte auf der die Minen verzeichnet waren. Als die Yenisei nicht zurück kam, sendete man den Kreuzer Boyarin um nach dem Schiff zu suchen.

Na? Könnt ihr euch denken was passierte?

Yep, die Boyarin lief auf eine Mine und sank zwei Tage später...            

Admiral Togo war am 14. Februar wieder ausgelaufen, dieses Mal mit einem gewagten Plan. Man wollte die Russen endgültig im Hafen einschließen. Dazu brachte man fünf alte Frachtschiffe mit. Die waren mit Beton gefüllt worden. Prompt versenkte man die Frachter in der Ausfahrt des Hafens...nur um zu bemerken, dass man die Tiefe der Fahrtrinne unterschätzt hatte. So sanken die Frachter tiefer als geplant...die Retvizan, noch immer auf Grund vor Port Arthur sah das Ganze, eröffnete das Feuer, traf nix und verkündete anschließend Stolz, man hätte grade 5 Schlachtschiffe versenkt...daraufhin sandte man ein Telegramm an den Zaren, dass von einem gewaltigen Sieg kündete. Als am nächsten Morgen die Sonne aufging und man den Fehler bemerkte, schickte man ein zweites Telegramm hinterher. Der Inhalt: „Upsiiiii“

Nach einigem Hin und Her hatte der Zar nun langsam die Faxen dicke! Er entsandte den besten Admiral den Russland zu bieten hatte: Admiral Stepan - „mein Bart ist cooler als deiner“ - Makarov!
Der hatte sich schon mehrfach bewiesen, hatte den ersten Schiff-gegen-Schiff-Torpedoangriff in der Geschichte der Menschheit durchgeführt, galt als genialer Taktiker, hatte einige Schiffe designt und gebaut und wurde allenthalben als richtig massiver Massafacka gehandelt. Mit Makarov vor Ort schien es so, als würde sich das Blatt wenden. Mehrfach brach die russische Flotte aus dem Hafen aus und zwang die japanischen Verbände zum Rückzug. Doch es sollte nicht sein...

Am 13. April rückte Makarov mit 5 Schlachtschiffen und 3 Kreuzern aus um ein Zerstörer-Geschwader zu unterstützen. Genau darauf hatte Togo gewartet...mit seiner gesamten Flotte. Im Angesicht der japanischen Übermacht gab Makarov den Befehl zum Rückzug...genau in ein frisch gelegtes japanisches Minenfeld...

Um 09:43 Uhr fährt Makarovs Flaggschiff Petropavlovsk auf drei Minen und explodiert. Innerhalb von kaum 2 Minuten ist das Schlachtschiff unter den Wellen verschwunden und mit ihm 635 Besatzungsmitglieder, inklusive Makarov. Kaum eine Stunde später wird auch das Schlachtschiff Pobeda von einer Mine verkrüppelt. Am nächsten Tag lässt Admiral Togo aus Respekt vor seinem gefallenen Gegner die Flaggen seiner Flotte auf Halbmast wehen und legt eine flottenweite Schweigeminute ein. Makarovs Leichnam wird von japanischen Tauchern geborgen. Er erhält durch die Japaner eine Seebestattung unter vollen militärischen Ehren. Makarovs Nachfolger hatte nun ein kleines Problem. Die Japaner hatten inzwischen Truppen gelandet und der Hafen war nun umstellt. So kam es, dass der letzte Kommandeur des ersten Pazifik-Geschwaders Admiral Skrydlov sein eigentliches Kommando nie antreten konnte.      

Die restlichen Schiffe des ersten Geschwaders wurden derweilen demontiert. Kanonen aller Art wurden zu Verteidigung des Hafens ausgebaut. Einen Großteil der Besatzungen schickte man an die Front. Die Japaner kämpften sich immer wieder an den eingegrabenen Stellungen der Russen ab. Allerdings brachten sie auch gewaltige (28cm) Belagerungs-Mörser mit, die bald schon den Hafen unter Beschuss nahmen. Doch noch gaben die Russen nicht auf. Ein Telegramm war eingetroffen. Der Zar hatte in seiner gottgleichen Weisheit entschieden ein zweites Pazifik-Geschwader aufzustellen. Dieses Geschwader war bereits auf dem Weg und würde Port Arthur retten!!!

Wie sagt man so schön:

Die Hoffnung stirbt zuletzt...

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Teil 2:

Vollkommen verpeilte Vorbereitung

Auf dem Papier sieht das zweite Pazifik-Geschwader erst mal durchaus beachtlich aus. Es besteht aus insgesamt 42 Schiffen, darunter 11 Schlachtschiffe und 9 Kreuzer. Hinzu kommen Zerstörer, Fregatten, Torpedoboote und Hilfsschiffe. Damit Russland auf eine solche Zahl von Schiffen kommt werden die Ostsee-Flotte und die Schwarzmeer-Flotte mehr oder weniger ihrer besten Schiffe beraubt.
Das Kommando wird Admiral Rozhestvenski übergeben, der bis dato das Kommando über die Ostsee-Flotte inne hatte. Politisch ist er nicht grade beliebt. Zum einen liegt das daran, dass er nicht korrupt ist, zum anderen liegt es aber auch an seiner kurzen Zündschnur. Rozhestvenski ist dafür berüchtigt, dass er seinen Untergebenen auch schon mal eins aufs Fressbrett gibt. Mit Untergebenen meine ich hier übrigens nicht nur Matrosen. Wenn es sein muss boxt der aggressive Admiral auch schon mal den Kapitän um, wenn er ihm blöd kommt oder seine Befehle nicht befolgt. Außerdem ist er noch nicht mal adelig. In einem Zarenreich, in dem der Adel die Offiziere stellt (Kompetenz ist nicht wichtig, Adelstitel schon) oder man sich als Fürst seinen Rang auch schon mal kauft, kommt so ein Sohn eines St. Petersburger Arztes nicht grade gut an. Trotzdem hat er es bis zum Admiral geschafft.
Sein neues Kommando verdankt Rozhestvenski übrigens niemand anderem als dem deutschen Kaiser Wilhelm II. Der findet den Aggro-Admiral wegen seinem nautischen Fachwissen nämlich total dufte.  Trotz all seiner Fehler ist Rozhestvenski bei seinen Mannschaften durchaus beliebt. Die einfachen Matrosen mögen seine strengen aber trotzdem fairen Führungsstil und die Tatsache, dass er sich vom Kadetten hochgearbeitet hat. Seine Unteroffiziere wissen sein Fachwissen und seine direkte Art zu schätzen (es sei denn sie bauen Mist). Selbst die Admiralität weiß Rozhestvenskis Qualitäten zu würdigen. Er hatte eine Zeit lang das Kommando über die Artillerieausbildungsschule innegehabt und die Schiffe, die er kommandierte, hatten stets den Ruf hervorragend gedrillt zu sein...
Genau hier lag allerdings auch schon das Problem: Die Besatzungen der zweiten Pazifik-Flotte waren vieles...aber sie waren definitiv nicht gut gedrillt. Bereits vor dem Ausbruch des Krieges hatte man die besten Besatzungen in den Pazifik versetzt wo sie nun in Port Arthur fest saßen. Was noch blieb waren Reservisten  und grüne Jungs. Viele dieser Truppen wurden in ganz Russland eingezogen. Die meisten hatten noch nie das Meer gesehen geschweige denn waren jemals auf hoher See gewesen. An Bord des Schlachtschiffs Kniaz Suvoroff drückt es ein Artillerie-Offizier wie folgt aus:

„Der einen Hälfte muss man alles erklären weil sie es nicht wissen und der anderen Hälfte muss man alles erklären weil sie es vergessen haben.“

An seinen Offizieren ließ der Admiral auch kein gutes Haar. Seinen übergewichtigen Stellvertreter Konteradmiral Folkersham nannte er einen „Sack gefüllt mit Dünger“ und den Kommandanten des Kreuzer-Geschwaders Konteradmiral Enkvist einen „großen leeren Raum“. Damit waren die Fronten mehr oder weniger geklärt. Einige Offiziere, die eher etwas „laissez-faire“ waren, parkten ihre Schiffe nämlich stets mit Absicht im Schatten der Schlachtschiffe. So waren sie abends vom Flaggschiff aus nicht zu sehen und man konnte sich heimlich von Bord und in die Kneipen schleichen.     
Neben dem Personal machten auch die Schiffe nur auf dem Papier einen guten Eindruck. Mit der Ausnahme der Borodino-Klasse Schlachtschiffe und der Aurora-Klasse Kreuzer waren die meisten Schiffe meistens schon etwas betagt. Hinzu kam auch, dass einige der Schiffe qualitativ nicht grade...gut gebaut waren. Selbst die nagelneue Borodino-Klasse, designt und gebaut in Frankreich hatte mit einigen Problemchen zu kämpfen. Zum einen waren die Schiffe bereits ungeladen schwerer als geplant. Damit lagen sie bereits so tief im Wasser, dass das untere Batterie-Deck feuchter war als eine Hartz-IV-Empfängerin beim Sommerschlussverkauf im KiK. Unter voller Ladung (inklusive viel zu viel Kohle) lagen die Schiffe so niedrig im Wasser, dass der Großteil des Panzergürtels unter Wasser war. Außerdem waren die Schiffe durch das markante französische „Tumblehome“-Design dezent instabil (Tumblehome bedeutet, dass das Schiff auf und unter der Wasserlinie breiter ist als die Aufbauten, Quasi Birnenförmig und dadurch kopflastig). Außerdem galt zu jener Zeit im Schiffsbau das Motto „ist es neu, schraub es oben aufs Schiff“, was der Sache nicht grade half.
Auf einem relativ ruhigen Gewässer wie der Ostsee wäre das nur bedingt ein Problem. Auf dem stürmischen Atlantik und dem noch stürmischeren Pazifik sieht das allerdings ganz anders aus.                 
Einige der Schiffe waren nicht mal Kriegsschiffe, sondern lediglich umgebaute Yachten der aristokratischen Oberschicht. Hier wurden einfach ein paar Waffen auf dem Deck angebracht und man hoffte aufs Beste.  
Schon im Hafen von St. Petersburg kam es wegen den hektischen Vorbereitungen zur ersten von (unglaublich lachhaft) vielen Katastrophen:    

Das nagelneue Borodino-Klasse Schlachtschiff Orjol sank bereits an der Reede. Der Grund? Bei Ausbesserungsarbeiten am Rumpf hatte man Rumpfplatten abgenommen und war nach Hause gegangen ohne die Besatzung zu informieren. Das Schiffe generell kein Wasser im Rumpf haben sollten, wenn sie schwimmen wollen, wurde geflissentlich ignoriert.

Zum ersten, aber definitiv nicht zum letzten Mal warf Admiral Rozhestvenski vor Wut sein Fernglas über Bord. Das war allerdings nichts neues. Aus gemachten Erfahrungen heraus, brachte sein Stab eine Kiste mit 50 Ferngläsern für die Reise mit.       

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Teil 3:

Startschwierigkeiten

Es ist gelinde gesagt eine Untertreibung zu behaupten, dass die Abreise des zweiten Pazifikgeschwaders unter keinem guten Stern stand.

Schon der grundlegende Plan hinter der Aktion war wahnsinnig. Die Ostsee-Flotte würde um ganz Afrika reisen und in Madagaskar auf die Schwarzmeer-Flotte warten, die durch den Suez-Kanal fahren würde. Nachschub an Kohle und Proviant würde man unterwegs durch gemietete Schiffe der deutschen Hamburg-Amerika-Linie erhalten. Russland hatte nämlich auf der gesamten Route keinen einzigen Hafen, der eine solche Flotte hätte aufnehmen und versorgen können. Hinzu kam das geltende Seekriegsrecht: Neutrale Staaten durften der Flotte eine Landes welches sich im Krieg befindet den Aufenthalt im Hafen verweigern. Die meisten Häfen mit genug Ressourcen und Infrastruktur auf der Route gehörten auch noch den Briten, welche seit dem Krim-Krieg nicht besonders gut auf die Russen zu sprechen waren. Daher blieb wirklich nur die Möglichkeit der Versorgung auf See.   
Bisher hatte man allerdings noch nie versucht eine ganze Flotte auf hoher See zu versorgen. Etwaige Einwände durch Rozhestvenski wurden vom Zaren jedoch geflissentlich ignoriert. Ein weiteres Problem war auch noch die Munition. Der Zar hatte dem zweiten Pazifikgeschwader grade genug Munition für eine entscheidende Schlacht mitgegeben. Damit gab es nicht nur keine Reserve im Falle einer weiteren Schlacht sondern auch keine wirkliche Möglichkeit, die unerfahrenen Geschützbesatzungen zu trainieren.

Am 15. Oktober 1904 war es dann endlich soweit. Mit vollem militärischen Rambazamba lief Rozhestvenskis Teilverband aus St. Petersburg aus. Was ein monumentale, epochaler und unvergesslicher Moment in der Geschichte des Zarenreichs werden sollte wurde zu einer absoluten Lachnummer denn:

  1. Ausgerechnet das Flaggschiff des Admirals schaffte es im Hafenbecken (und in Sichtweite des Zaren samt Speichellecker) auf Grund zu laufen. Daran war hauptsächlich die Überladung der Schiffe mit Proviant und Kohle schuld.
  2. Einer der Kreuzer verlor beim Anker lichten den Anker (samt Ankerkette).

Und:

  1. Einer der Zerstörer rammte das Schlachtschiff Oslyaba mit solcher Wucht, dass der Zerstörer schwer beschädigt im Hafen bleiben musste (sehr zur Freude der Besatzung).

Damit war der Ton für die restliche Reise gesetzt.

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Teil 4:

Schiffe schaffen Schaden

Wer nun denkt, auf hoher See wird sich das Blatt schon wenden, dem sei gesagt: BULLSHIT!
Jetzt ging der wilde Wahnsinn erst richtig los. Bereits der Eisbrecher, der das zweite Pazifikgeschwader durch die zufrierende Ostsee lotsen sollte (das war noch vor Greta, Klimawandel etc.) entschied sich dazu, dass Befehle zu relevanten Themen wie Kurs, Geschwindigkeit und allem weiteren vollkommen egal waren.  So fuhr das Schiff mal Schlangenlinien, mal Zickzack, mal nach Norden, mal nach Süden und gab sich die allergrößte Mühe nicht auf die Signalflaggen und Leuchtsignale zu achten, die ein wütender Rozhestvenski auf seinem Flaggschiff gab. Das ganze eskalierte so sehr, dass der Admiral den Befehl gab, dem Eisbrecher einen Warnschuss vor den Bug zu verpassen. Dies wurde scheinbar in der restlichen Flotte als Signal für MAXIMUM DAKKA aufgefasst und so feuerte fast jedes Schiff wild eine Weile vor sich hin. Wieder einmal lernte ein Fernglas fliegen.        
Der Admiral gab den Befehl, den Eisbrecher einzuholen, schnappte sich ein Sprachrohr und beschimpfte den Kapitän der „Lepra-verseuchten Hure“ (Originalzitat des Admirals) aufs schlimmste. Danach wurde der Eisbrecher in die Heimat entlassen.         
Diese Eskapade sollte jedoch noch ein weitaus dramatischeres Nachspiel haben. Unter den Matrosen der Schiffe, vor allen jenen die das Artillerie-Feuer nur gehört hatten, machten sich Gerüchte breit. Die Japaner warteten vor Rügen. Die Japaner hatten sich in die Flotte geschlichen. Die Japaner hatten Torpedo-Boote in Skagerrak. Die Japaner hatten die Ostsee vermint. Man hatte japanische U-Boote gesichtet etc. etc. etc. Nichts davon konnte natürlich der Wahrheit entsprechen aber Rozhestvenski war besorgt genug um einen folgenschweren Befehl zu geben. In der Hoffnung, damit die Moral und die Wachsamkeit zu steigern befahl er, dass kein fremdes Schiff in den Flottenverband eindringen durfte.                
Es dauerte genau eine Nacht, bis ihn dieser Befehl in den Arsch biss. Eines Abends näherte sich ein dänischer Fischkutter dem vor Anker liegenden Flottenverband. Die angsterfüllten Geschützmannschaften eröffneten das Feuer aus allen Rohren. Gleichzeitig signalisierte das Reparatur- und Wartungsschiff Kamchatka, dass es von japanischen Torpedo-Booten angegriffen wurde. Auf die Frage nach der Richtung und Stärke des Feindes erklärte das Reparatur-Schiff „Es sind wenigstens 8 und sie kommen aus allen Himmelsrichtungen“.  Merkt euch den Namen...die Kamchatka sollte noch für viel Furore sorgen.
Der Fischkutter wurde übrigens nicht ein einziges Mal getroffen. Tatsächlich hatte die Besatzung nicht mal mitbekommen, dass sie das Ziel des wilden Beschusses waren, was an sich schon alles über die Zielgenauigkeit des zweiten Pazifikgeschwaders sagte. Man hatte sich der Flotte auch nur genähert um einen Brief des Zaren zu überbringen. Für seine Bemühungen war Rozhestvenski zum Vize-Admiral befördert worden...          
Der frisch beförderte Admiral führte seine Flotte durch den Skagerrak und in die Nordsee. Hier, auf offener See sollte man meinen, wenig Schaden anrichten zu können oder? ODER?! Pustekuchen!!!

Was nun folgte, ging als „Doggerbank-Vorfall“ in die Geschichtsbücher ein:     
               
In der Nacht vom 21. auf den 22. Oktober traf das zweite Pazifikgeschwader auf den gefährlichsten Feind den man sich überhaupt vorstellen kann...die britische Hochsee-Trawler-Flotte. Wie genau diese langsamen, voll beleuchteten und mit Fischernetzen behangenen Schiffe für schnelle japanische Torpedoboote gehalten werden konnten, kann bis heute keiner so wirklich erklären. Fakt ist: Das gesamte Geschwader eröffnete wieder einmal das Feuer aus allen Rohren. Dabei war die Flotte nicht grade wählerisch was das eigentliche Ziel anging. Die Kreuzer Dimitrii Donskoii und Aurora bekamen ebenfalls mehrere Treffer ab, die bei der Aurora sogar zum Tod eines Matrosen und des Kaplans führten. Doch das war noch nicht alles. In der wilden Panik meldeten mehrere Schiffe, sie seien von Torpedos getroffen worden. Auf anderen Schiffen wiederum rannten Besatzungen mit Säbeln auf dem Deck umher und schrien, dass sie geentert werden. Wieder andere Mannschaften zogen Rettungswesten über und legten sich flach aufs Deck, im Glauben, das Schiff würde unter gehen. Insgesamt wurde eine Trawler versenkt und 4 weitere wurden beschädigt. Rozhestvenski brauchte 20 Minuten bis endlich alle Schiffe das Feuer einstellten. Zu diesem Zeitpunkt war der Schaden jedoch bereits angerichtet.  
Verständlicherweise war die britische Bevölkerung alles andere als Glücklich über den Vorfall. Einige Zeitungen und Politiker verlangten Rache und Krieg. Wieder andere konnten einfach nicht fassen, dass eine derartige Aktion ein Unfall gewesen sein könnte. Eine Zeitung schrieb es wie folgt:

„Es ist fast unvorstellbar, dass irgendwer der sich als Seemann bezeichnet, egal wie verängstigt er auch sein mag, zwanzig Minuten damit verbringt eine Flotte von Fischerbooten zu beschießen ohne die wahre Natur des Ziels zu erkennen.“

Der Zar sah sich gezwungen eine formelle Entschuldigung an das britische Volk zu verfassen. Außerdem zahlte Russland eine Entschädigung in Höhe von 60.000 Pfund (etwa 8,5 Mio. € nach heutigem Wert) an die Besatzungen der Fischerei-Flotte. Die Briten verlangten außerdem die Aufstellung einer unabhängigen Kommission um die Ursache für den Vorfall (also...abgesehen von absoluter strunzendämlicher Inkompetenz) zu ermitteln.          
Besagte Kommission kam später zu dem Ergebnis, dass Rozhestvenski selbst keine Schuld traf. Allerdings erhielt er den Befehl im spanischen Hafen Vigo, jene Offiziere zurückzulassen, welche er für die Hauptschuldigen hielt. Das nutzte der Vize-Admiral prompt aus, um die inkompetentesten Untergebenen aus der Flotte zu schmeißen, unter ihnen auch einen gewissen Kapitän Klado, welcher mehrmals sehr direkt die Führungskompetenz des Admirals in Frage gestellt hatte (und dafür Prompt verbal und physisch was vor die Kauleiste bekam). Kapitän Vigo sollte sich jedoch weiterhin als Geißel für den Admiral herausstellen, aber dazu kommen wir noch.   
Während das zweite Pazifik-Geschwader nur beinahe einen Krieg mit Großbritannien gestartet hatte, dachte man sich auf der Kamchatka wohl „da geht noch was“. Das Reparatur-Schiff war einige Tage zuvor (sehr zur Freude des restlichen Geschwaders) wegen technischen Problemen (oder Inkompetenz oder...beidem) zurückgefallen. Als das Schiff zwei Tage nach dem Doggerbank-Vorfall wieder auf die Flotte traf, verkündete man voller Stolz via Morsecode, dass man drei japanische Schlachtschiffe versenkt hätte. Dafür hätte man nur 300 Schuss der mitgeführten Munition verbraucht. Bei den japanischen Schlachtschiffen handelte es sich tatsächlich um einen schwedischen Frachter, einen deutschen Trawler und ein französisches Segelschiff. Woraufhin der Zar weitere Entschuldigungen samt einigen Entschädigungen an halb Europa abdrücken durfte.

Die Kamchatka wurde langsam zum absoluten Liebling der Flotte...

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