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"Whity's witzige Weltkriegs-Stories™"

Teil 1

Major(in) Raskova hat eine Bomben-Idee

Man kann viel viel viiiiiiiiiiiel schlechtes über den Sozialismus im Allgemeinen und die Sowjetunion im Besonderen sagen aber wenn es um die Gleichberechtigung von Mann und Frau geht waren die Sowjets dem Rest der Welt durchaus ein Stück voraus. So war es schon vor dem Krieg möglich als Pilotin oder Navigatorin Karriere zu machen. Eine dieser Pilotinnen war Marina Raskova. Sie war bereits vor dem Krieg ein Star in Russland, schließlich gehörte sie zu einem kleinen Kreis von Frauen, die der Sowjetunion Rekordflug nach Rekordflug einbrachten (und jedes Regime mag gute Publicity). Marina hatte ihre Ausbildung zur Pianistin abgebrochen um sich zur Navigatorin ausbilden zu lassen (Google Maps gab es ja noch nicht) und war nebenbei einem der vielen aufkeimenden Aeroklubs der Sowjetunion beigetreten um das Fliegen zu lernen. Dass Sie eine ziemlich harte Lady war, wusste spätestens nach ihrem Rekordflug im September 1938 in Russland jedes Kind. Zusammen mit ihren Kolleginnen Walentina Grisodubowa und Polina Ossipenko flog sie eine modifizierte ANT-37 in 26 Stunden und 29 Minuten über eine Strecke von 5908,610 km von Moskau zum Ochotskischen Meer (das Seegebiet zwischen der Halbinsel Kamchatka und dem Russischen Festland). Kurz vor dem erfolgreichen Abschluss des Fluges ging den drei Damen allerdings der Sprit aus. Raskova wurde befohlen abzuspringen, während die Maschine eine Bauchlandung in einem Sumpf in der russischen Taiga machte. Eine Woche kämpfte sich Frau Raskova durch das unwegsame Gelände bis sie ihre Maschine fand. Die drei Damen mussten im schlechter werdenden Herbstwetter bis zum 3. Oktober ausharren, bevor sie endlich gefunden wurden. Als verdiente Würdigung für ihren Flug erhielten die drei Ladies als erste Frauen den Titel „Held der Sowjetunion“.

Als das Reich 1941 die Sowjetunion überfällt, wird die eigentlich zahlenmäßig überlegene rote Luftwaffe kalt (am Boden) erwischt. Bereits in den ersten Stunden des Überfalls sind die sowjetischen Flugplätze die Hauptangriffsziele deutscher Bomber- und Zerstörer-Geschwader. Hunderte russische Jäger und Bomber gehen noch auf den Startbahnen oder in den Hangars in Flammen auf. Die wenigen Piloten die es am Anfang des Krieges tatsächlich in die Luft schaffen, sind den erfahrenen deutschen Piloten in den meisten Fällen technisch und zahlenmäßig unterlegen. Der schnelle Vormarsch der Wehrmacht nimmt Flugfeld nach Flugfeld ein und hunderte Piloten gehen in Gefangenschaft. Auch der Nachschub an neuen Flugzeugen wird knapp. Zwar verfügen die Sowjets über Muster, die den deutschen Maschinen ebenbürtig oder zum Teil sogar überlegen sind aber es können gar nicht so schnelle neue Maschinen gefertigt werden, wie an der Front verloren gehen. Hinzu kommt auch noch die Tatsache, dass Stalin den Befehl gibt alle kriegswichtigen Maschinenbetriebe in den gefährdeten Gebieten abzubauen und hinter dem Ural neu zu errichten. Obwohl diese Entscheidung ultimativ zum Sieg der Sowjets beitragen wird, so sorgt es doch 1941/42 für einen absoluten Mangel an neuen Maschinen. Auch der Mangel an erfahrenen Piloten wird immer offensichtlicher. Stalins Säuberungen Ende der 30er Jahre haben auch einige Geschwader-Kommandanten erwischt. Ihre Nachfolger sind oft unerfahren und schicken die Piloten auf selbstmörderische Missionen mit dem Ziel den deutschen Vormarsch aufzuhalten.

Hier kommt Marina Raskova ins Spiel. Wie viele ihrer weiblichen Kollegen hat sie versucht sich bei den sowjetischen Luftstreitkräften zu bewerben, wird aber immer wieder abgelehnt. Krieg ist auch für die Sowjets noch Männersache. Erst als sie ihre Connections zum damaligen Minister für Luftfahrt spielen lässt, welcher direkt bei Stalin anfragt, nimmt die ganze Sache Fahrt auf. Nun wird ihr direkt eine Herkules-Aufgabe gegeben: Sie soll zusammen mit sechs weiteren Offizierinnen drei Fliegerregimenter aus dem Boden stampfen. Als Teil der 122. Fliegergruppe entstehen so noch im Jahr 1941 drei Geschwader. Das Jäger-Regiment 586, das Bomber-Regiment 587 und (Trommelwirbel bitte) das Nacht-Bomber-Regiment 588. Obwohl die Aufgabenfelder der Geschwader kaum unterschiedlicher sein könnten vereint sie doch eins. Sie bestehen zu 100% aus weiblichem Personal (zumindest zu Beginn). Von den Kolchosen werden Fahrerinnen en masse angeworben. Aus den technischen Hochschulen und den Fabriken kommen Mechanikerinnen und junge Pilotinnen (viele von ihnen wurden durch Raskova und ihre Kolleginnen inspiriert) reißen sich förmlich darum in den Kampf ziehen zu können. Dabei kann man ihren Tatendrang durchaus verstehen. Viele haben bereits Brüder, Väter oder Ehemänner die im Kampf stehen oder schon verloren gegangen sind. Einige kommen aus Gebieten, die jetzt bereits unter deutscher Besatzung sind und alle haben eine Sache gemein: Sie wollen kämpfen.

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Horst

Teil 2

Knatternde Besen mit lustigen Namen

Es ist nicht alles Gold was glänzt. Das merkt auch Kommandeurin Berschanskaya, als sie im Februar 1942 vor ihrem Frisch aufgestellten Nacht-Bomber-Regiment steht. Es mangelt den angetretenen Damen zwar nicht an Enthusiasmus oder Können aber dafür an so ziemlich allem anderen. Die Uniformen, die ihrer Einheit zugewiesen wurden, sind zu groß, da sie für Männer gedacht sind, genauso wie die Stiefel. An Fahrzeugen bekommt die Einheit nur alte LKWs, die nur noch vom Rost zusammengehalten werden und beim Thema Flugzeugen könnte einem direkt anders werden. Während das 586. mit modernen, brandneuen YAK-1 Jägern ausgestattet wird und das 587. ebenso moderne Pe-2 Bomber fliegen darf bekommt das 588. was? Doppeldecker. Steinalte, abgeranzte, eigentlich für die Schulung gedachte Doppeldecker. Mit diesem aeronautischen Äquivalent eines Dinosauriers soll das 588. nun also den Zorn der sowjetischen Frauen zu den Deutschen tragen. Na toll. 
Dabei ist die Polikarpov U-2 (später Po-2) eigentlich ein Dauerbrenner und mit über 30.000 produzierten Maschinen eines der meistgebauten Flugzeuge der Menschheitsgeschichte. Seit 1928 tut der behäbige, gutmütige Doppeldecker schon dienst bei der Roten Armee. Eigentlich soll die U-2 als Ausbildungsflugzeug dienen. Doch schon vor dem Krieg ist sie als Überführungsflugzeug, Aufklärer und leichter Bomber im Einsatz.  Auch im zivilen Dienst ist die U-2 ein bekanntes Bild am russischen Himmel. Auf den weiten Agrarflächen der UdSSR bewährt sie sich als Sprühflugzeug. Daher ist es kaum verwunderlich, dass die Maschinen im Militärdienst schnell den Spitznamen Kukuruznik – Sprühflieger weg haben, wenn die Beobachter nett sind oder Kerosinka – Kerosinlaterne, wenn die Beobachter ausdrücken wollen, dass sie schnell in Flammen aufgeht.

Aber auch der böse Feind gibt der U-2 schnell einige passende Namen. Die Finnen nennen sie schon während des Winterkrieges 1940 Hermosaha was sich direkt als „Nervensäge“ übersetzen lässt. Bei den deutschen Bodentruppen ist sie wegen dem typischen knatternden Motorengeräusch als Nähmaschine oder Kaffeemühle bekannt. Deutsche Piloten nennen die Maschine auch gerne mal Kastendrache weil sie aus der Sicht eines Piloten in einem schnellen Eindecker in der Luft aussieht als würde sie am Himmel stehen wie ein Drache im Wind.

Dabei eignet sich die U-2 für die geplante Rolle als Nacht-Bomber eigentlich ziemlich perfekt. Sie besteht aus Leim, Stoff und ein paar Drahtseilen, die jemand an einen Motor gefummelt hat. Besagter Motor leistet brachiale 90 PS (später sogar unglaubliche 105-110 PS). Da sie als Trainer konzipiert war, fliegt sie recht gutmütig und nicht besonders schnell, kann auch mal ohne laufenden Motor fliegen und braucht keine besonders lange Startbahn (bei Gegenwind sogar eigentlich gar keine Startbahn). Der Begriff Startbahn ist hierbei relativ zu sehen. Dank des robusten russischen Fahrwerks tut es auch eine Waldlichtung, ein Acker oder jedes andere Stück grades Land. Damit ist sie wie kein zweites Flugzeug dazu geeignet direkt hinter der Front zu operieren. Für ihr Alter und ihre recht schwache Leistung kann die U-2 immerhin bis zu 350kg an Bomben mitführen.

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Horst

Teil 3

Nacht-Hexen

„The wind will whisper when the night witches come…”

~ Sabaton “Night Witches”

Im Juni 1942 kommt das 588. Nacht-Bomber-Regiment endlich an die Front. Binnen weniger Wochen machen sich die Damen einen Namen, sowohl bei den Kammeraden als auch beim Feind.
So manch ein russischer Soldat, der der Meinung ist den Pilotinnen oder Mechanikerinnen näher kommen zu wollen findet sich vor Stabs-Chefin Irina Rakobolskaja wieder wenn er glück hat, die ihn erst zusammenfaltet und mit vorgehaltener Waffe zu seiner Einheit zurück bringt oder wenn er Pech hat vor der Politkommissarin Jewdokija Ratschkewitsch, die ihn erst zusammenfaltet und dann mit vorgehaltener Waffe in den Wald bringt.

Die Pilotinnen fliegen mehrere Angriffe pro Nacht, jede Nacht. Ihre Taktiken sind derart effektiv, dass die Deutschen bald schon ein eigenes Nacht-Stör-Geschwader aufstellen, dass die Taktiken kopiert. Meistens läuft ein Angriff wie folgt ab. Drei bis vier U-2’s heben mit wenigen Minuten Abstand voneinander ab und halten auf ein vorher festgelegtes Ziel zu. Dabei fliegen sie auf Baumwipfel-Höhe. Ist das Ziel in Sicht wird der Motor abgestellt und man segelt weiter. Über dem (meistens) vollkommen überraschten Ziel werden dann die Bomben abgeworfen, der Motor wieder angeworfen und im Tiefflug geht es in eine andere Richtung davon. Die etwaige Flak versucht meistens die fliehende U-2 abzuschießen, bemerkt dabei aber selten die weiteren Maschinen, die den Lärm nutzen um sich heimlich aus anderen Richtungen ans Ziel zu schleichen. Das klappt gut. Oftmals ist die erste Warnung, die die Bodentruppen erhalten das Pfeifen der fallenden Bomben. So zermürbend ist das Ganze, dass manche Infanterieeinheiten sich nicht trauen Feuer zu machen (auch im Winter) aus Angst, dadurch ein lohnendes Ziel zu werden oder Nachts angespannt den Himmel nach der kleinsten Bewegung absuchen. Der psychologische Terror ist so effektiv, dass die Landser den Pilotinnen schnell den Namen Nacht-Hexen verleihen, weil sie wie von Zauberhand erscheinen, Chaos stiften und genauso schnell wieder verschwinden. Nichts ist vor den Hexen sicher. Egal ob Artillerie-Stellung, geparkte Fahrzeuge, Front-Stellungen, Brücken oder sogar ganze Flugplätze alles was in Reichweite ist kommt in den Genuss von nächtlichem Terror. Dabei begeben sich die Frauen auf mehr als eine Art in tödliche Gefahr! Zum einen ist die U-2 wie gesagt eine Kombination aus Stoff, Sprit und Holz. Sollten sie wirklich getroffen werden, fliegen sie meistens zu tief um mit dem Fallschirm abzuspringen (davon ausgehend, dass sie überhaupt einen haben). Sollte der Doppeldecker in Flammen aufgehen, dann meist binnen Sekunden und recht spektakulär. Außerdem werden die Deutschen recht schnell schlau aus dem Trick, die Motoren abzuschalten. Horchposten und Beobachter haben bald schon den direkten Befehl sofort via Funk „NÄHMASCHINEN“ in alle Richtungen zu brüllen oder Leuchtkugeln zu verschießen. Selbst die einfachste Infanterie-Einheit kann sich dann mit einem MG oder einer Flack auf die Lauer legen. Hinzu kommt noch Hitlers „Flintenweiber-Erlass“, welcher besagt: „Stets zu erschießen sind Frauen die in der Roten Armee dienen […]“ damit haben die Frauen des 588. keine Hoffnung auf Kriegsgefangenschaft. Das einzige, was für die Pilotinnen eine geringere Gefahr darstellt sind ironischerweise feindliche Jäger. Die U-2 fliegt selbst mit Höchstgeschwindigkeit langsamer als die Mindestgeschwindigkeit für eine ME 109 oder FW 190 beträgt wenn besagte Maschinen nicht wie Steine vom Himmel fallen wollen. Die gewaltige Geschwindigkeitsdifferenz (wir reden hier von 200-300 km/h) bedeutet auch, dass die deutschen Piloten nur wenige Sekunden haben um zu zielen. Hinzu kommt die niedrige Flughöhe der U-2.
Nach ihrer Feuertaufe im Donbass spricht sich die Geschichte der Nacht-Hexen auf beiden Seiten der Front schnell rum. Ähnlich wie die Geschichten um den gefürchteten Weißen Tiger-Panzer rasen Stories von einer Einheit zur nächsten. Der moralische Schaden ist bei weitem größer als der beachtliche Schaden an Mensch und Material. Manch ein Achsen-Soldat verkneift sich im Nachtlager lieber die Zigarette, aus Angst mit dem winzigen Lichtpunkt ein Ziel für die aufmerksamen Pilotinnen und ihre Navigatorinnen zu werden. Andere Einheiten bauen ganze Fake-Nachtlager auf, nur um den Hexen ein anderes Ziel zu bieten. Für den Rest des Krieges sind die Nacht-Hexen an jeder großen Offensive beteiligt. Bis Dezember 1942 nehmen sie an den großen Schlachten im Kaukasus teil, wo die Einheit von August bis September 1942 fast 3000 Einsätze fliegt. Danach ist die Einheit im Bereich des Flusses Terek und um das Kuban-Flusstal sowie bei Stavropol im Einsatz. Im Februar 1943 hat sich die Einheit bereits einen solchen Namen gemacht, dass sie zum 46. Garde-Nacht-Bomber-Regiment umbenannt wird.

Major Raskova erlebt das schon nicht mehr mit. Sie fällt am 4. Januar 1943 bei einer Notlandung mit einem Pe-2 Bomber. Sie ist die erste Person, die während des zweiten Weltkriegs in Russland ein offizielles Staatsbegräbnis bekommt. Ihre Asche ist in der berühmten Kreml-Mauer beigesetzt.

 Mit dem neuen „Garde“-Namen, der in der Roten Armee Elite-Einheiten verliehen wird, haben sich die Hexen scheinbar noch höhere Ziele gesetzt. Wo bisher 5 bis 8 Einsätze pro Nacht geflogen wurden, werden es inzwischen 8 bis 12. Jede Nacht ziehen sie los um für Verwirrung und Verwüstung zu sorgen. Bis September 1943 fliegen sie über 4.500 weitere Einsätze. Für ihre Unterstützung in den Kämpfen um die Taman-Halbinsel trägt die Einheit bald die Bezeichnung „46. Taman Garde-Nacht-Bomber-Regiment“ Die Einheit bleibt bis 1945 durchweg im Einsatz. Sie ist an den Offensiven in Weißrussland und Polen beteiligt. Die letzten Einsätze fliegen die Nacht-Hexen während der Vistula-Oder-Offensive und über den Vororten von Berlin. Die Einheit wird am 15. Oktober 1945 offiziell aufgelöst. Bis dahin haben die Nacht-Hexen über 23.600 Einsätze geflogen und über 3000 Tonnen Bomben und Brandsätze abgeworfen. Von den 261 Frauen, die in der Einheit dienen fallen 32. Von den 80 Pilotinnen und Navigatorinnen erhalten 23 die Auszeichnung „Held der Sowjetunion“, prozentual mehr als in jeder anderen Einheit der Roten Luftwaffe. Oberleutnant Irina Sebrova allein fliegt 1008 Einsätze bis Ende des Krieges, mehr als jede andere Frau in der Geschichte der Menschheit! Viele der Nacht-Hexen kehren nach Kriegsende dem Militärdienst den Rücken. Politkommissarin Jewdokija Ratschkewitsch sucht nach dem Kriegsende bis weit in die 1950er aktiv nach allen Mitgliedern der Einheit die offiziell als „im Krieg verschollen“ gelten. Dabei reist sie durch ganz Russland. Sie tut dies aus einem Grund: Wer als russischer Soldat Verschollen ist gilt erst mal als Kriegsgefangener und wer in Kriegsgefangenschaft geht, gilt unter Stalin als Verräter und Kollaborateur bis seine Unschuld bewiesen ist. Tatsächlich gelingt es ihr aber jede einzelne Absturzstelle und jede Vermisste zu finden. Die Toten werden mit vollen militärischen Ehren auf Militärfriedhöfen in ganz Russland beigesetzt.

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Horst

Teil 4

Vorwort oder „Mein Opa hat einiges erlebt“

Mein Opa hat einiges erlebt. So viel sogar, dass alleine seine Kriegserinnerungen 8 ganze Aktenordner füllen. Das alles schrieb er nach dem Krieg nieder, das meiste aber erst als er schon Rentner war. Leider ging es ihm in den letzten zehn Jahren seines Lebens geistig nicht mehr allzu gut. Das hat dazu geführt, dass so manche Geschichte in den Aufzeichnungen, doppelt, dreifach oder sogar noch öfter vorkommt. Manchmal sind die Geschichte de facto identisch, manchmal verwechselt er Jahreszahlen und manchmal steht da auch einfach nur krudes Zeug. Mein Vater und ich befassen uns nun schon seit bestimmt fünf Jahren damit die Geschichten chronologisch in die richtige Reihenfolge zu bringen und all jene auszusortieren, die Kauderwelsch sind. Dabei kamen viele, zum Teil herrlich witzige, zum Teil traurige und einige verdammt grausame Geschichten zum Vorschein. Einige seiner Eskapaden klingen fast zu gut um wahr zu sein, allerdings hat er auch jede Menge Fotos schießen können, die seine Berichte zumindest zum Teil belegen.

Da mein Opa Eduard „Ede“ Weiß schon vor der Grundausbildung einen Führerschein für PKW und LKW hatte (was vor dem Krieg tatsächlich keine Selbstverständlichkeit war) traf es ihn bei der Waffengattung glimpflich. Mit 1,90m war er zu groß für die Panzertruppe, und auch für die U-Boote, zur Marine wollte er eh nicht („Wasser hat keine Balken“ hat er immer gesagt), da er aber nun mal einen Führerschein hatte und seine kaufmännische Ausbildung in einem Flugzeugreparatur-Werk gemacht hatte kam er als Fahrer zum Fuhrpark der 1. Gruppe/ Jagdgeschwader 3 „Udet“. Nach dem Polen- und Frankreichfeldzug, hier und da unterbrochen von Zeiten beim Heimatschutz, ging auch das JG 3 nach Russland. Die Geschichte trägt leider nur den Titel „Am Don“. Wo genau, also auf welchem Flugplatz und wann genau hat er leider nicht aufgeschrieben zeitlich kommt aber nur der Sommer 1942 in Frage, zum einen, weil Günther Lützow noch der Kommodore des Geschwaders war (bevor er im August 1942 abberufen wurde) und zum anderen, weil das 588. Nacht-Bomber-Geschwader zu diesem Zeitpunkt in diesem Frontbereich operierte.

Der folgende Text ist von mir an einigen Stellen mit [Klammern] um einige Fakten ergänzt worden, aber ansonsten eine Originalfassung.

 

 

Am Don [Juni/Juli 1942 vermutlich im Raum Kalatsch am Don]

[In einer anderen Geschichte schreibt mein Opa, dass er mit seinem Freund dem Gefreiten Schulz losgeschickt wurde um von einem nahegelegenen Bahnhof Ersatzteile für die Flieger zu beschaffen. Die Geschichte scheint hier anzuknüpfen]

Kaum kommen wir auf dem Horst an, da will die Tomate [Fuhrparkleiter] uns schon wieder was. Wieso wir so lange weg waren will er wissen  und ob wir denn alles haben. Der Schulz springt ab und macht Meldung und Ich fahre derweil die Protze [Krupp Protze Schlepper] zwischen die Bäume am Rand [des Flugfelds]. Da sitzen auch die Mannschaften und spielen Karten. Als die mich sehen kommen sie an. Ehe ich was sagen kann kraxelt die Bagage schon auf der Ladefläche rum. Sogar der Mechaniker vom Alten [Geschwader-Kommodore Günther Lützow] ist mit von der Partie. Die bekommen sich fast das Fetzen wegen der Teile. Ich lasse sie machen, nehm‘ aber meinen Prügel [PPD-40] mit und schau wo ich was zu essen bekommen kann. Der Küchenbulle hat die Ella [Gulaschkanone] bestimmt noch nicht leer gemacht. Da findet mich auch Schulz wieder. Ich hab ihm ein Geschirr Suppe versorgt und der Bulle hatte sogar frisches Kommis[brot]. Nach so einer langen Fahrt sind wir beide froh über das Essen und die Ruhe. Aber es soll nicht. Kaum haben wir aufgegessen da dröhnt es schon am Himmel. Unsere Flieger kommen wohl zurück. Dann geht es schnell. Unsere Emils [ME 109-E] sind wieder da. Beim Überflug wackeln alle vier mit den Flügeln. Da wird es heute Abend was geben. Die Tomate kommt zu mir und blökt mich an. Ich soll die Protze nehmen und die Flieger vom Feld ziehen. Na gut also los. Schulze kommt mit und wir fahren übers Feld zu den wartenden Maschinen. Die Schrauber sind schon dran und unsere Flieger zerren sich die Monturen runter. Es ist jetzt schon um 5 aber noch richtig warm. Die Warte haben auch alle nur die Hosen an. Der Wart vom Alten weist mich ein und wir hängen die erste Emil an. Die Protze hat zwar ordentlich kraft, aber auf dem Stoppelacker dauert es trotzdem lange alle Maschinen zu den [Tarn]Netzen zu bugsieren. Als wir fertig sind stehen wir in unserer eigenen Brühe. Jetzt nur noch waschen und ab. Aber nein. Die Tomate brummt mir Platzschutz auf. „Weiß, Sie können doch Fla-MG“, sagt er und schickt mich zum Feldrand. Recht hat er, ich hab da ja schon Erfahrung. Am Feldrand haben die mit Sandsäcken ein [MG]34er bewehrt. Da soll ich also die ganze Nacht sitzen. Hoffentlich fallen mir da nicht die Augen zu. Schulz und Kolbe [Gefr. Kolbe war ebenfalls im Fuhrpark] dürfen Runden gehen. Auch nicht schön aber da bewegt man sich ja und bleibt auch wach. Jede Stunde kommen die vorbei und wir reden über Gott und die Welt. Kolbe sagt, dass Nachts die Russen jetzt auch bei uns kommen und was schmeißen. Neulich haben die wohl eine Stellung der Artillerie in der Nähe voll getroffen. Da war dann nichts mehr übrig sagt er. Er hat Zigaretten und tauscht mir zwei für ein Stück vom Brot. Wache stehen wäre einfacher wenn die Fliegen und die Mücken nicht wären. Die machen mich verrückt. Von den Nachtangriffen habe ich aber schon gehört. Am Bahnhof wollten die ja auch nicht, dass ich die Scheinwerfer an mache.

Jetzt wo es Nacht ist hört man den Lärm der Front. Ab und zu knallt es auch bei uns in der Nähe, wenn die Haubitzen sprechen und man kann das Dröhnen der Granaten nach dem Knall noch hören. Mit denen will ich jetzt nicht Tauschen. Da gehen einem doch die Ohren kaputt. Aber so bleibe ich immerhin wach. So gegen 3 Uhr kommen die die Beiden noch mal rum und wir rauchen. Dann auf einmal pfeift es. Schulz und ich hören es erst gar nicht. Da brüllt der Kolb auf einmal wie gestochen los und schmeißt sich hinter die Säcke. Dann kracht es. Ich schmeiß mich auch hin und Schulz kurbelt schon an der Sirene. Jetzt geht das Feuerwerk los. Am anderen Ende legt die 2cm[Flak] los und einer der Scheinwerfer geht an. Ich häng mich an das 34er. Zum Glück habe ich das gleich durchgeladen und bereit gemacht. Erkennen kann ich erst aber nichts. Dann pfeift es wieder aber länger und es knallt am andern Platzende. Dieses Mal hab ich die Schweinepriester gesehen. Kaum hundert Meter über uns fliegen die. Ich fackel gar nicht lange und gebe ein Garbe. Noch mal pfeift es rein. So nah, dass wir mit Dreck beschmissen werden. Kolb schießt vor Wut mit seinem Karabiner in die Luft und Schulz klammert sich an das Dreibein [des MGs vermutlich]. Jetzt hören wir auch Motoren. Die klingen aber nicht wie die anderen Russenflieger. Die hauen auch ab. Die Geräusche werden leiser. Kolb meint er hört ein Rascheln und ich dreh das MG im Kreis. Sehen kann ich wieder nichts. Dann geht’s schnell. Aus Osten kommt einer von denen rein. Eine alte Kiste ist das! Erinnert mich an die Schulflieger in Zerbst. Und wie still der ist! Das Rascheln kommt weil er so nah an den Bäumen fliegt. Den Motor hat der Kerl aus. Da sieht man mal wie mutig die Russen sind. Dieses Mal pfeift es über unsere Köpfe. Wir schmeißen uns hin aber nichts passiert. Der Ivan hat jetzt aber auch dicke Luft. Der Scheinwerfer hat ihn und die Flak hält schon drauf. Ich mach mich auch wieder ans 34er und gebe Feuer. Den haben wir! Der Pilot will abhauen und schmeißt den Motor an. Im Licht sehen wir dicken Qualm und hören das Rattern. Weit kommt der nicht. Die Flak hält noch drauf aber der fällt schon vom Himmel. Jetzt werden wir überrumpelt. Der Alte kommt angerannt. Halb verschlafen ist er und kaum angezogen. Wir drei stehen Stramm und ich mache Meldung. Er hört sich alles an dann muss er gähnen. Er zeigt auf Kolbe und mich und sagt nur „Hinfahren und einkassieren! Das ist Unserer!“ Wir sind erst mal baff. Kolbe knufft mir den Arm und zeigt zum Waldrand. Das Gespann meint er. Wir rennen also los.

Der Flieger ist nicht weit gekommen. Wir haben ja auch ordentlich Alarm gemacht und um uns herum sind jetzt bestimmt alle wach. Wir fahren höchstens 10 Minuten dann sehen wir auch schon das Feuer. Der ist mit allem Schwung in eine Stellung gedonnert. Was vom Flieger übrig ist brennt. Wir kommen ran gefahren und dann sehen wir was da los ist. Die Landser in der Stellung haben sich den Piloten geschnappt und verdreschen ihn. Schön ist das nicht aber ich kann das verstehen. Da ruft der Kolb plötzlich „Mensch Ede das ist ja ein Mädel!“ Ich schaue auch nicht schlecht. Jetzt wo wir näher dran sind sehe ich das auch erst. Die Kerle haben jetzt angefangen ihr die Jacke runter zu reißen und einer zerrt ihr schon an der Hose. Schweinerei ist das. Ich fackel nicht lange und nehme den Prügel. Drei Schuss in die Luft und Ruhe ist. Die Kerls lassen das Flintenweib los und schauen uns düster an. Mehr trauen die sich aber doch nicht. Ich halte den Prügel ja noch fest in der Hand und ziele nicht mehr in die Luft damit. Kolb schnappt sich das Mädel und schleppt sie zum Beiwagen. Die sieht übel aus. Das ganze Gesicht haben die ihr eingeschlagen. Wir fahren mit allem was geht zurück zum Platz. Als wir ankommen wartet schon der Alte auf uns. Als wir ihm erklären was passiert ist und die Pilotin vorführen staunt er aber auch nicht schlecht. Er lässt erst mal den Arzt kommen. Mich befiehlt er in die Stube. Das ist das erste Mal seit unserer Fahrt nach Berlin, dass wir mal wieder zu zweit sind [Mein Großvater fungierte öfter mal als Fahrer für ihn]. Er bietet mir einen Schnaps an und ich soll mich setzen. Der Arzt ist inzwischen wieder da und hat einen von den Hiwis dabei. Der macht den Übersetzer. Der Alte fragt die Pilotin aus aber die sagt kein Wort. Ich sitze derweil wie Pröpcken daneben und traue mich nicht mau oder maff zu sagen. Irgendwann gibt der Alte dann doch auf. Der Arzt schafft die Russin weg. Jetzt ist guter Rat teuer. Wir hatten schon gehört, dass der Iwan jetzt auch Weiber an die Front schmeißt. Scheinbar sind die jetzt wirklich schon so verzweifelt. Der Alte seufzt und schaut mich an. Aus Gewohnheit spring ich von dem Stuhl hoch und stehe stramm aber der Alte winkt nur ab. „Seit der Sache neulich muss ich aufpassen“, sagt er. Er tut mir ehrlich leid. Die Schweinerei ist wohl doch nicht so aus der Welt wie wir alle dachten. [Das JG3 hatte in Charkov Besuch von der Gestapo bekommen. Die suchten „Freiwillige“ vermutlich für Erschießungskommandos. Lützow ließ das gesamte Geschwader antreten und verkündete dann, dass er seine Uniform ausziehen würde falls auch nur einer vortreten sollte. Das wäre Fahnenflucht gleich gekommen und hätte selbst ihm den Kopf gekostet. Es gab keine Freiwilligen und die Gestapo-Männer mussten abtreten. Beschwerten sich wohl aber lautstark bei Göring, weil es ihnen bei anderen Geschwadern ähnlich ergangen war.] „Weiß, kümmern Sie sich um das Mädel.“, dann lässt er mich wegtreten. Ich hole die Russin beim Arzt ab und verfrachte Sie ins Gespann. Wir sind hier nicht weit von der Front. Nach einer Stunde kommen wir am Don an. Ich bedeute der Russin auszusteigen und sich auszuziehen. Jetzt schaut sie mich an und hat Tränen in den Augen. Mit dem Prügel zeige ich auf den Fluss. „Schwimmen“ gebe ich ihr zu verstehen. Es dauert ein wenig aber dann scheint sie verstanden zu haben und macht, dass sie die Böschung runter kommt. Ich warte bis sie sicher auf der anderen Seite ist und fahre zurück. Wohl ist mir dabei nicht. Ich muss an Lenchen [Schwester] denken und mir wird ganz flau im Magen.

Ob diese Geschichte sich wirklich so zugetragen hat, weiß ich leider nicht. Ich hoffe es aber sehr. Zum Charakter meines Opas würde es definitiv passen. 

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Horst

HMS Campbeltown – Fick dein Trockendock!

Einleitung

Ab und zu in der Geschichte des Krieges kommt es vor, dass irgendjemand mit mehr Aufputschmitteln als Verstand im Kopf auf eine sehr verrückte Idee kommt. Manche dieser Ideen sind so vollkommen wahnsinnig, dass sie schon auf dem Reißbrett krepieren. Andere sind wahnsinnig, aber die Leute, welche die Idee abnehmen sind genauso wahnsinnig und wieder andere sind so abgrundtief vollkommen dermaßen bekloppt, dass irgendjemand sagt: „Das könnte tatsächlich funktionieren“. Das hier ist so eine solche Idee und oh mein Gott ist es eine geniale Geschichte. Diese Story hat tatsächlich alles: Harte (vollkommen verrückte) Kerle, einen waghalsigen (= selbstmörderischen) Plan, einen Bösewicht (auch wenn er/sie/es sehr weit weg ist) und ein Happy End (wobei das Ansichtssache ist). Aber ich will ja gar nicht vorweg greifen! Wir beginnen da, wo es am meisten Sinn ergibt: am Anfang!

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Horst

Teil 1

Die Angst vorm bösen Zwilling

Wenn man auf einer Insel wohnt, ist man davon abhängig, dass ab und zu jemand mit einem Boot kommt und einem cooles Zeug bringt. Wenn man im Krieg ist, gilt das umso mehr. Täglich kommen in britischen Häfen hunderte Frachter und Tanker an und bringen Waren aus dem ganzen Commonwealth und der USA. Den Deutschen ist bewusst, wie desaströs eine Blockade für die Angelsachsen und ihre Kriegsanstrengungen wäre. Schon im ersten Weltkrieg hatte man versucht mit U-Booten den Inselstaat auszuhungern. Doch U-Boote sind nicht die einzige Gefahr für die Frachter der Alliierten. Als 1941 die Bismarck (das Schiff mit der Katze) versucht in den Atlantik auszubrechen setzen die Britten die gesamte Home-Fleet in Bewegung um sie aufzuhalten. Der Atlantik ist schließlich groß und selbst ein einziges Schlachtschiff wäre in der Lage so manchem Frachter-Kapitän so richtig den Tag zu versauen. Als die Bismarck schließlich 3000m unter Normal Null liegt atmet man in der Admiralität erst mal auf. Doch damit ist die Gefahr der Kriegsmarine noch lange nicht gebannt. Immerhin sind da ja auch noch die  schnellen Schlachtschiffe (oder Schlachtkreuzer, hier scheiden sich die Geister) Scharnhorst und Gneisenau (die bereits so manches britische Schiff auf dem Gewissen haben) und vor allem das Schwesterschiff der Bismarck: Die Tirpitz.    
Zum Glück (oder Unglück) ist die Tirpitz noch nicht ganz Einsatzbereit, als die Bismarck zu ihrer Mission ausläuft. So bleibt der deutsche Koloss zurück und ist damit eine ständige potenzielle Gefahr für die Royal Navy. Ergo ist es kaum verwunderlich, dass man im britischen Oberkommando schon bald „Was wäre wenn?“  spielt.   
Was wäre denn, wenn die Tirpitz mit weiteren deutschen Einheiten versucht durchzubrechen? Nun ja, selbst wenn die Kriegsmarine jedes Schiff, Boot, U-Boot, Floß und Stück Holz in ihrem Besitz in Bewegung setzt ist ihr die Royal Navy noch immer haushoch zahlenmäßig überlegen. Die Chance, dass die Tirpitz also ohne einen Kratzer in den Atlantik kommt ist demnach eher minimal.        
Aber was wäre denn, wenn es die Tirpitz mit ein paar Kratzern in den Atlantik schafft? Dann müsste man sie ja irgendwo reparieren oder? Wo könnte man so ein Schiff reparieren? Eigentlich nur im besetzten Frankreich. Aber wo im besetzten Frankreich könnte man einen solchen Koloss schon reparieren. Immerhin ist sie das größte Schiff in europäischen Gewässern. Dafür braucht man ein echt großes Trockendock. Davon gibt es nicht viele, an der Atlantikküste tatsächlich nur eins. Das Normandie-Dock in der Hafenstadt St. Nazaire ist zu diesem Zeitpunkt das größte seiner Art in der Welt. Benannt ist es nach dem gewaltigen Ozean-Liner SS Normandie. Dieses über 300 Meter lange Kreuzfahrtschiff war vor Kriegsbeginn das größte seiner Art und gilt bis heute als eines der Leistungsstärksten Schiffe seiner Klasse. In diesem Dock hätte selbst ein monströses Schiff wie die Tirpitz problemlos Platz.      
Was wäre denn nun aber, wenn irgendjemand besagtes Trockendock rein zufällig kaputt machen würde?(hier bösartiges Lachen einfügen)

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Horst

Teil 2

Sachbeschädigung will geplant sein

Wie jagt man ein Trockendock in die Luft? Diese Frage stellt sich das britische Oberkommando nun.

Erste Idee: man zerbombt es einfach aus der Luft!
Problem: Die Royal Air Force hat kaum Kapazitäten über um einen solchen Angriff zu fliegen, außerdem ist da noch das winzige Problemchen, dass Horizontalbombardements alles andere als Präzise sind. Das wäre natürlich nicht so schlimm, wenn sich das Ziel auf deutschem Boden befinden würde, aber leider sind die Franzosen ja offiziell Freunde! Zu diesem Zeitpunkt hat man bei den Alliierten auch noch gemeinhin ein Problem damit Zivilisten bei solchen Angriffen zu töten.        
Problem Nr. 2: Die Luftwaffe! Auch wenn seit der Luftschlacht um England längst nicht mehr so viele Staffeln der Luftwaffe in Frankreich stationiert sind, so sind es immer noch genug, um eine Bomberformation gewaltig zu dezimieren, sollte sie in Reichweite kommen. Apropos Reichweite: Die Jäger der RAF haben selbst nicht genug Reichweite um die Bomber zum Ziel zu geleiten, über dem Ziel zu kämpfen und sich dann zurückzuziehen. Hinzu kommt außerdem, dass St. Nazaire aufgrund des wichtigen U-Boot-Stützpunktes (der übrigens heute noch steht, weil man das Teil de facto nicht kaputt bekommt) gut verteidigt ist. Dutzende Flak-Batterien sind rund um die Stadt verteilt und die Luftwaffe selbst hat eine ständige Patrouille über der Stadt.

Zweite Idee: Die Home Fleet fährt einfach hin und bombardiert die Hafenanlagen mit den schweren Geschützen ihrer Kreuzer und Schlachtschiffe!        
Problem: St. Nazaire liegt nicht direkt an der Atlantikküste sondern in der Mündung des Flusses Loire. Damit müssten die schweren Einheit der Navy in die Flussmündung fahren um zielgenau schießen zu können. Spätestens seit dem spektakulären Ende des deutschen Kreuzers Blücher in Norwegen 1940, weiß man aber, dass großes Schiff und enger Wasserweg eine echt ziemlich bescheidene Idee ist (es sei denn, man will das Schiff halt nicht mehr haben, dann ist es eine echt gute Idee). Außerdem ist die Loire Mündung relativ sandig und die ausgebaggerten Fahrtrinnen sind von den Deutschen vermint. Die Gefahr, dass man schwere Schiffe verliert, weil sie auf Grund laufen ist durchaus real und wäre für die Royal Navy dann doch sehr peinlich. Außerdem sind da noch die Küstenbatterien die sogar einige eroberte 28cm Eisenbahngeschütze beinhalten.      
Problem Nr. 2: Die Luftwaffe! (schon wieder) Jeder Versuch sich mit großen Einheiten dem Gebiet um St. Nazaire zu nähern würde frühzeitig entdeckt werden und dann würde so ziemlich alles in Frankreich, das Fliegen kann sich auf den Verband stürzen. Die Japaner beweisen kaum ein Jahr später, dass selbst landgestützte mittlere Bomber durchaus in der Lage sind, britische Schlachtschiffe zu versenken, wenn diese ohne Eskorte unterwegs sind.

Idee Nr. 3: Sabotage! Man könnte doch einfach jede Menge Agenten und Widerstandskämpfer in das Hafengebiet einschleusen und diese dann Bomben legen lassen oder?  
Problem: Die Hafenanlagen von St. Nazaire sind vermutlich die am besten Verteidigten Wasserbecken der Welt zu diesem Zeitpunkt. Nicht nur liegen dort ja jede Menge deutsche Schiffe, deren Besatzungen auf Bombenanschläge eher allergisch reagieren würden, nein die Stadt selbst hat auch eine recht große Garnison und die Sicherheitsvorkehrungen im Hafen sind extrem strickt. Die Chance, mehrere Agenten einzuschmuggeln ist daher relativ gering, geschweige denn, dass diese Bomben legen. Außerdem gibt das SOE (die sneaky bois) zu verstehen, dass es keine adäquaten Sprengladungen besitzt, die an dem Dock genug Schaden bewirken können um es dauerhaft außer Gefecht zu setzen.

Keine der obigen Ideen findet im Oberkommando große Zustimmung. Es gibt zu viele Variablen und die Risiken sind zu groß. Fakt ist aber, dass das Normandie-Dock um jeden Preis vernichtet werden muss. Aber was soll man nun machen wenn es aus der Luft nicht geht, vom Wasser aus nicht geht und vor Ort auch nicht geht? Richtig. Man kombiniert einfach die Pläne zu einem gewaltigen (wahnsinnigen) Plan. Wer soll denn aber nun eigentlich vor Ort den Schaden anrichten? Wer wäre verrückt genug, mutig genug und fähig genug um eine solche Aktion zu bewerkstelligen?

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Teil 3

Problem? Commandos! Kein Problem!

Viele von uns haben in unserer Jugend vermutlich die „Commandos“-PC-Spiele gespielt. Mit einer Gang von harten Spezialisten ging es dann hinter der Front darum möglichst sneaky alles abzumurksen und irgendwas in die Luft zu jagen. Die echten Commandos waren allerdings noch um einiges heftiger drauf.
Bereits 1940, nach der Evakuierung der britischen Expeditions-Truppen aus Frankreich hat Winston Churchill eine seiner (vielen) bösartig genialen Ideen. Er will eine Truppe aufbauen, die mit Überfällen an der gesamten, vom Feind besetzten, Küste für Terror sorgen soll. Diese speziell ausgebildeten Männer sollen in kleinen Gruppen für Angst, Schaden und Verwirrung sorgen und das nach dem Motto. „abschlachten und abhauen“(Originalzitat). Was zuerst mit 2000 Freiwilligen aus der britischen Armee beginnt entwickelt sich bis Kriegsende zu einer eigenständigen Armee aus britischen, französischen, griechischen, niederländischen und belgischen Wahnsinnigen. Keine andere Einheit des zweiten Weltkriegs ist an jeder Front im Einsatz. Keine andere Einheit ist so gefürchtet und so hervorragend gedrillt und trainiert. Die Ausbildung der Commandos ist so rigoros und heftig, dass sie von einigen Staaten einfach direkt kopiert wird und noch heute bei den Spezialkräften von über 20 Nationen auf dem Programm steht.  Tatsächlich ist die Ausbildung so aufreibend, dass im Schnitt ein Mann unter hundert die Anforderungen erfüllt. Wer es dennoch schafft, spricht fließend Französisch, Deutsch und Norwegisch, ist in der Lage jede Waffe im Arsenal der deutschen und britischen Armeen zu bedienen, kann ohne Sicherung Steilwände erklimmen und mit Sprengstoff jeder Art umgehen. Es ist keine Übertreibung wenn ich behaupte, dass die britischen Commandos die härteste Truppe von Soldaten des zweiten Weltkrieges sind. Daher wundert es ziemlich genau niemanden, dass diese toughen Masafackas ausgewählt werden um die Hafenanlagen von St. Nazaire (mit Gewalt) umzustrukturieren.    

Damit ist das WER schon mal gelöst. Jetzt fehlt nur noch das WIE.

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Teil 4

Pimp my Zerstörer

Man will sich gar nicht vorstellen wie laut das Geschrei, Gemecker und das Maulen gewesen sein muss, als man der Admiralität klar macht, dass man für den Angriff auf St. Nazaire einen Zerstörer borgen möchte…der nicht zurück kommen wird…weil man ihn in die Luft jagen will. Tatsächlich muss Winston Churchill persönlich eingreifen damit das genehmigt werden kann. Dabei sind Zerstörer grade ein wenig Mangelware und das obwohl die Royal Navy grade erst fast einhundert alte Wickes-Klasse Zerstörer von den USA geborgt haben (im Austausch für Stützpunkte auf der ganzen Welt). Aber wieso braucht man denn nun eigentlich einen Zerstörer? Und wieso soll der bitte in die Luft fliegen?       
Naja, um bis nach St. Nazaire zu kommen, muss ein Schiff an den verminten Fahrtrinnen vorbei über die Sandbänke den Fluss hoch kommen und genug Sprengstoff mitführen um das massive Trockendock zu sprengen. Man ist sich einig, dass sich ein Zerstörer am besten dafür eignen würde. Den Zerstörer rammt man dann einfach volle Lotte in das Trockendock, stellt die Bombe scharf und rennt um sein Leben. Damit das klappen kann muss der Zerstörer aber um einiges leichter werden.  
Die Wahl fällt auf die HMS Campbeltown, die man einer rigorosen Schlankheitskur unterzieht. ALLES fliegt raus. Man lässt im Innenraum nur einen Boiler übrig, reißt zwei der vier Schornsteine raus, sägt die verbliebenen Schornsteine schräg ab (damit der Zerstörer einem deutschen Zerstörer ähnlicher wird…im Dunkeln…wenn man wirklich nur gaaaaaaanz ungefähr hinschauen würde) und stopft den Innenraum mit, in Beton eingegossenem, Sprengstoff voll…4,5 Tonnen. Auf Deck werden alle Waffen entfernt und durch eine einzelne 7,5 cm Kanone und acht 2 cm Bofors-Flaks ersetzt. Außerdem bringt man als Deckung für die Commandos Stahlplatten auf dem Deck und an der Brücke an. Damit trägt die HMS Campbeltown nun den zweifelhaften Titel „größte schwimmende Bombe der Welt“.

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Horst

Teil 5

Auf die Plätze, fertig, Himmelfahrtskommando!

Es ist die Nacht vom 27. auf den 28. März 1942 und vor Loire-Mündung wartet das britische U-Boot HMS Sturgeon auf einen ganz besonderen Konvoi. Besagten Konvoi soll das U-Boot übrigens nicht versenken sondern zu sich lotsen. Gegen 22 Uhr sichtet man die Schiffe dann schließlich. Es sind die Zerstörer Tynedale und Atherstone, gefolgt von der Campbeltown und einer bunten Mischung von Kanonenbooten, Torpedobooten und Motorbooten. Die Tynedale und die Atherstone werden auf hoher See verbleiben. Sie sollen die Flussmündung decken und gegebenenfalls deutsche Schiffe vernichten, falls diese nach St. Nazaire einlaufen wollen. An Bord des Zerstörers und der Motorboote warten 265 Commandos auf das Startsignal für Operation Chariot (Streitwagen). Bisher ist alles nach Plan verlaufen und in diesem Moment greifen über 50 britische Bomber die Stadt und den Hafen an. Man hofft so alle Beobachter und Schützen von dem auffällig unauffälligen Konvoi abzulenken, der nun langsam die Loire hinauf schippert. Tatsächlich klappt diese Ablenkung nur bedingt. Gestern erst war Admiral Räder zu Besuch in St. Nazaire und hat den Stadtkommandant vor möglichen Angriffen der britischen Elite-Soldaten gewarnt, welche in letzter Zeit immer häufiger vorkommen. Hinzu kommt außerdem, dass ein deutsches U-Boot den Konvoi gesichtet hat. Zum Glück meldet es aber, dass sich der Konvoi nach Westen bewegen würde und nicht nach Osten in die Flussmündung hinein. Hafenkommandant Kapitän zur See Mecke wundert sich jedoch am meisten über das Verhalten der britischen Bomber. Statt ihre Bomben zu werfen und abzuhauen bleiben die nämlich eine ganze Stunde über der Stadt. Mecke befürchtet einen Fallschirm-Jäger Angriff und versetzt die gesamte Garnison in Alarmbereitschaft. Noch starren alle deutschen Truppen gespannt in den Himmel…noch. In der Zwischenzeit hat die Campbelltown ein ganz anderes Problem. Kaum 8 Minuten Fahrtzeit trennt sie noch von ihrem Ziel, da wird der gesamte Konvoi plötzlich von Scheinwerfern erfasst. Ein Wachposten verlangt via Signal-Licht und Morsecode sofort nach der Identifikation. Eines der Motorboote signalisiert zurück. In einem vergangen Commando-Einsatz hat man ein deutsches Code-Buch in die Finger bekommen. Das erkauft den Briten einige Minuten. Aber die Zeit läuft trotzdem ab. Als die ersten deutschen Stellungen das Feuer eröffnen sagen die Briten endgültig FUCK IT. Jedes MG, jede Flak und jede Kanone an Bord der Schiffe legt nun los und hält die deutschen Posten durch ungewollte Blei-Injektion unten (vorher wird aber erst mal die Kriegsfahne gehisst man ist ja schließlich mit einem Schiff der Royal Navy unterwegs). In dem Wissen, dass es jetzt um die Wurst geht (und dass man ihm sein Schiff bereits zerballert) gibt Lieutenant Commander Beattie den Befehl schmackes zu geben. Mit 35 km/h rast die Campbeltown nun dem Dock entgegen. Auf Deck feuern die Commandos aus allen Rohren. Ihr Job kommt dabei erst noch. Sobald der Zerstörer das Dock knutscht sollen sie alles im Umkreis in die Luft jagen. Die Commandos an Bord der Motor-Boote haben den gleichen Job. Sie sollen aber auch den Rückzug sichern und (falls welche da sind) U-Boote und Schiffe in die Luft jagen. 
Es knirscht, es knallt und kracht und plötzlich hängt ein Zerstörer im Tor des Trockendocks. Die deutschen Flak-Besatzungen sind da natürlich erst mal geschockt. Viele vermuten, dass eines der eigenen Schiffe aus Angst vor dem Bombenangriff versucht hat auszulaufen. Jeglicher Unsicherheit wird aber ein schnelles Ende bereitet, als über hundert Commandos plötzlich von Bord springen und mit einem lauten „For King and Country!“ zum Sturm ansetzen. Binnen weniger Minuten sind alle Soldaten und Besatzungsmitglieder von Bord. Damit die Deutschen den Zerstörer nicht aus dem Dock zerren können öffnet man unter Deck noch alle Flutluken. Binnen weniger Minuten sitzt das Heck der Campbeltown auf Grund. Die vorderen zehn Meter des alten Zerstörers hängen über oder im Trockendock.            
Die Männer der Campbelltown sind in mehrere Gruppen aufgeteilt. Zwei Sturm-Trupps sollen den Weg ebnen. Das bedeutet alles und jeden über den Haufen zu pusten, der nicht wie ein Commando aussieht. Angeführt werden sie dabei vom schottischen Captain Donald Roy. Stilecht im Kilt unterwegs wirft er den deutschen Truppen neben Handgranaten auch jede Menge Flüche entgegen. Mit ihm sind insgesamt 14 Mann nun dafür zuständig Flak- und MG-Stellungen auszuheben. Den Sturm-Trupps folgen insgesamt 5 Sprengtrupps deren Aufgabe darin besteht alles das nach wichtigem Equipment aussieht hochzujagen. Jedem Sprengtrupp ist ein Wachtrupp zugeteilt, die den Männern beim Bomben legen Deckung geben sollen. Die letzte Gruppe besteht aus einem Mörser-Trupp. Die Mörser fackeln nicht lange und nehmen die befestigten Flakstellungen rund um das Dock unter Steilfeuer. Trotz des Überraschungsmomentes halten sich die Verteidiger wacker und die Commandos verlieren immer mehr Männer.         
Den restlichen Commandos ergeht es nicht so gut wie den Männern der Campbeltown. Viele ihrer Motorboote, mit denen sie eigentlich den Rückzug antreten sollten, werden noch in der Mündung zusammengeschossen und sinken. Die wenigen Männer die es an Land schaffen liegen nun unter schwerem Beschuss vom Dach des gewaltigen U-Boot-Bunkers. Da entscheidet sich Lieutenant Colonel Newman an Bord des einzigen Kanonenbootes, dass zugucken langweilig ist. Obwohl er nicht landen sollte bringt er sein Kanonenboot an die alte Mole und eröffnet mit seinen 2cm Flaks und diversen Lewis-MGs das Feuer auf die Bunker. Gleichzeitig koordiniert er das Mörserfeuer und bald schweigen die Flaks auf dem U-Boot-Bunker. Nun organisiert er die Verteidigung. Obwohl er mindestens 5 zu 1 in Unterzahl ist schafft es Newman mit seinen Leuten die Stellung zu halten. Inzwischen sind nur noch etwa 100 Commandos kampfbereit. Newman trifft daher eine harte Entscheidung und gibt drei Befehle.         
1. Wir geben unser bestes um es nach England zurück zu schaffen!          
2. Wir ergeben uns erst wenn die gesamte Munition verschossen ist!        
3. Wir ergeben uns erst wenn wir absolut keine andere Wahl mehr haben!           
Newman geht zum Angriff über. Unter Dauerfeuer deutscher MGs versucht er seine Männer von der Mole in die Altstadt zu bringen. Weit kommen sie allerdings nicht. Binnen weniger Stunden werden sie umstellt. Als die letzten Patronen verschossen sind, geht Newman mit seinen verbliebenen Männern in Gefangenschaft.
Derweil rasen die wenigen verblieben Kanonen- und Motorboote die Flussmündung herauf und herab und versuchen so viel Feindfeuer wie möglich auf sich zu ziehen. Motorboot 269 legt sich dabei mehrfach mit einem von den deutschen bewaffneten Trawler an. Immer wieder rast das kleine Boot an dem behäbigen Schiff vorbei, bis ein Glückstreffer den Motor in Brand steckt. Motorboot 177 hat grade die Besatzung der Campbeltown an Bord genommen als es ebenfalls getroffen wird und kurz darauf sinkt. Motorboot 268 erhält einen Volltreffer und explodiert. Nur ein einziges Besatzungsmitglied überlebt.           
Seargent Thomas Durrant, Mitglied von Commandobrigade 1 bemannt das hintere Lewis MG an Bord von Motorboot 306. Während das Boot mit Vollgas versucht aus der Mündung zu fliehen jagt er recht spektakulär ein Suchlicht in die Luft und erkauft den wenigen fliehenden Booten etwas mehr Zeit. Er wird verwundet, bleibt aber auf seinem Posten. Als Motorboot 306 die Flussmündung verlässt findet es plötzlich das deutsche Torpedo-Boot Jaguar vor. Obwohl die Jaguar schon fast ein vollwertiger Zerstörer ist, entscheidet sich Durant dafür das Feuer zu eröffnen. Mit seinem MG hält er auf die Brücke der Jaguar. Die Jaguar, um einiges Größer und wesentlich besser bewaffnet erwidert das Feuer und Durant wird erneut getroffen. Trotz zwei schwerer Wunden bleibt er auf seinem Posten und feuert weiter. Als das Motorboot schließlich geentert wird bricht er zusammen und stirbt. Auf Bitten des Kommandanten des deutschen Torpedobootes wird ihm posthum das Victoria Cross verliehen. Er wird in dieser Nacht nicht der einzige sein, dem diese Ehre zuteilwird.
Auch die anderen Motorboote, die es aus der Mündung geschafft haben, stehen unter Beschuss. Die schweren Küstenbatterien feuern nun aus allen Rohren. Gleichzeitig tauchen mehrere deutsche Bomber am Himmel auf. Die Atherstone und die Tynedale legen sich derweil mit fünf deutschen Schnellbooten an und schaffen es sie zu verjagen. Von den 265 Commandos und 346 Seefahrern der Royal Navy schaffen es knapp zweihundert zurück nach England. Weitere 169 sind tot und 215 in Gefangenschaft. Fünf Commandos schaffen es, sich aus der Stadt zurück zu ziehen. Es gelingt ihnen bis nach Spanien zu flüchten. Von dort gelangen auch sie zurück nach England.        
Die Campbeltown ist kaum mehr als ein rauchendes Wrack, vollkommen durchlöchert vom Feindfeuer. Es ist bereits 12 Uhr mittags am 28. und die gefangenen Commandos werden grade von einem deutschen Marineoffizier verhört. Der teilt Beattie mit, dass die Schäden am Dock binnen weniger Wochen repariert sein sollten und das der Angriff ein Fiasko war. Die Commandos sind verständlicherweise geknickt. Eigentlich sollten die Sprengladungen an Bord bereits vor 8 Stunden hochgehen. Grade als der Marineoffizier mit seiner Ausführung fertig ist gehen 4,5 Tonnen Sprengstoff spektakulär in die Luft. Zu diesem Zeitpunkt besichtigen mehrere hochrangige Offiziere und einige französische Zivilisten das Wrack. Die Explosion reißt die Campbeltown in Stücke und sprengt die Tore des Trockendocks auf. Eine gewaltige Flutwelle ergießt sich über die gesamte Hafenanlage mehr als 350 deutsche Soldaten und Zivilisten fallen allein der gewaltigen Explosion zum Opfer. Es gibt eine Reihe von Fotos des Zerstörers während er besichtigt wird. Nur wenige Minuten nach den Aufnahmen geht der Sprengsatz im inneren hoch.   Auf späteren Luftaufnahmen ist das Wrack der Campbeltown im Trockendock zu sehen. Die Flutwelle hat es dort hinein geschoben. Zwei Tage später explodieren mehrere Torpedos im Hafenbecken und zerstören weitere Hafenanlagen. Man hatte auch die Torpedos mit Zeitzündern versehen.

Das Trockendock bleibt für den Rest des Krieges außer dienst. Die Tirpitz wird es nie in den Atlantik schaffen. Sie wird in Norwegen stationiert wo sie eine konstante Gefahr für die arktischen Konvois darstellt. Sie wird 1944 in mehreren Bombenangriffen der Royal Air Force versenkt. Im Jahr 1987 wird einer neuen britischen Fregatte der Name HMS Campbeltown verliehen. Sie trägt die originale Schiffsglocke ihres berühmten Namensgebers bis in das Jahr 2011. Danach wird die Glocke der amerikanischen Stadt Campbelltown in Pennsylvania  übergeben, wo sie noch heute zu sehen ist.

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